Zu den Kleinen zähl ich mich
unknownAn Goethe
Zu den Kleinen zähl ich mich Liebe Kleine nennst Du mich. Willst Du immer so mich heißen, Werd ich stets mich glücklich preisen, Bleibe gern mein Leben lang Lang wie breit und breit wie lang.
Als den Größten kennt man Dich, Als den Besten ehrt man Dich, Sieht man Dich, muß man Dich lieben, Wärst Du nur bei uns geblieben, Ohne Dich scheint uns die Zeit Breit wie lang und lang wie breit.
Ins Gedächtnis prägt ich Dich, In dem Herzen trag ich Dich, Nun möcht ich der Gnade Gaben Auch noch gern im Stammbuch haben, Wärs auch nur den alten Sang: Lang wie breit und breit wie lang.
Doch in Demut schweige ich, Des Gedichts erbarme Dich, Geh O Herr nicht ins Gerichte Mit dem ungereimten Wichte, Find es aus Barmherzigkeit Breit wie lang und lang wie breit.
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Interpretation
Das Gedicht "Zu den Kleinen zähl ich mich" von Marianne von Willemer ist ein bewegendes Loblied auf Johann Wolfgang von Goethe. Die Autorin stellt sich selbst als "klein" und "lieb" dar, während sie Goethe als den "Größten" und "Besten" preist. Sie drückt ihre tiefe Bewunderung und Liebe für ihn aus, die so stark ist, dass sie sein Fehlen als Verzerrung der Zeit empfindet. Die Wiederholung des Satzes "Lang wie breit und breit wie lang" am Ende jeder Strophe dient als Refrain und unterstreicht die beständige Natur ihrer Gefühle. In der ersten Strophe akzeptiert sie stolz die "kleine" Rolle, die Goethe ihr zugewiesen hat. In der zweiten Strophe beklagt sie seinen Abschied und die dadurch entstehende Leere. Die dritte Strophe zeigt ihren Wunsch, eine bleibende Erinnerung an Goethe zu haben, sei es in ihrem Gedächtnis, Herzen oder sogar in einem Stammbuch. Die letzte Strophe offenbart Willemer's Demut und Respekt gegenüber Goethe. Sie bittet ihn, ihr unvollkommenes Gedicht nicht allzu streng zu beurteilen, und verwendet erneut den Refrain, um ihre beständige Verehrung auszudrücken. Insgesamt ist das Gedicht eine Hommage an Goethe, die Willemer's tiefe emotionale Verbindung zu ihm und ihre Bewunderung für sein Genie zum Ausdruck bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wiederholung von 'Lang wie breit und breit wie lang' und 'Breit wie lang und lang wie breit' am Ende der Strophen
- Apostrophe
- Direkte Ansprache an Goethe im Titel und im Gedicht
- Chiasmus
- Umkehrung der Wortreihenfolge in 'Lang wie breit und breit wie lang' und 'Breit wie lang und lang wie breit'
- Hyperbel
- Übertreibung in 'Als den Größten kennt man Dich, Als den Besten ehrt man Dich'
- Ironie
- Selbstironische Darstellung als 'Kleine' und 'unreimter Wichte'
- Metapher
- Vergleich von Größe und Breite mit Lebensdauer und Bedeutung
- Personifikation
- Zeit als etwas, das 'scheint' und 'breit wie lang und lang wie breit' sein kann