Zu Abend mein Herz

Georg Trakl

1913

Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse, Zwei Rappen springen auf der Wiese, Der rote Ahorn rauscht. Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg. Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse, Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald. Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken, Auf das Gesicht tropft Tau.

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Illustration zu Zu Abend mein Herz

Interpretation

Das Gedicht "Zu Abend mein Herz" von Georg Trakl beschreibt eine stimmungsvolle Abendlandschaft, die von einer melancholischen und zugleich sinnlichen Atmosphäre durchdrungen ist. Der Leser wird in eine Welt voller dunkler, geheimnisvoller Klänge und Bilder entführt, die eine tiefe Sehnsucht und Einsamkeit ausdrücken. In den ersten Strophen wird die Szenerie mit Klängen und Bewegungen belebt: Der Schrei der Fledermäuse, das Springen der Rappen auf der Wiese und das Rauschen des Ahorns. Diese Elemente schaffen eine unheimliche, aber auch faszinierende Kulisse, die den Wanderer in seinen Bann zieht. Die kleine Schenke am Weg erscheint als ein Ort der Zuflucht und des Trostes, wo der junge Wein und die Nüsse einen kurzen Moment der Freude und des Genusses bieten. Die Stimmung verdichtet sich in den folgenden Versen, als der Wanderer betrunken durch den dämmernden Wald taumelt. Die schmerzlichen Glocken, die durch das schwarze Geäst tönen, und der Tau, der auf das Gesicht tropft, verstärken das Gefühl von Einsamkeit und Verlassenheit. Diese Elemente symbolisieren den inneren Schmerz und die Sehnsucht des Wanderers nach einem verlorenen Paradies oder einer verlorenen Liebe. Das Gedicht endet mit einer tiefen Resignation und einem Gefühl der Unausweichlichkeit. Der Wanderer ist allein in der Dunkelheit, umgeben von den Klängen der Natur, die seine innere Zerrissenheit widerspiegeln. Die Abendstimmung, die das Gedicht durchzieht, symbolisiert den Übergang von Leben und Tod, von Freude und Trauer, und lässt den Leser mit einem Gefühl der Melancholie und der Schönheit des Vergänglichen zurück.

Schlüsselwörter

herrlich abend hört schrei fledermäuse zwei rappen springen

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Stilmittel

Alliteration
Zwei Rappen springen auf der Wiese
Bildsprache
Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse
Klangmalerei
Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken
Kontrast
Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald
Metapher
Zu Abend mein Herz
Personifikation
Der rote Ahorn rauscht