Zorn
18101810
Seh ich im verfallnen, dunkeln Haus die alten Waffen hangen, Zornig aus dem Roste funkeln, Wenn der Morgen aufgegangen,
Und den letzten Klang verflogen, Wo im wilden Zug der Wetter, Aufs gekreuzte Schwert gebogen, Einst gehaust des Landes Retter;
Und ein neu Geschlecht von Zwergen Schwindelnd um die Felsen klettern, Frech, wenns sonnig auf den Bergen, Feige krümmend sich in Wettern,
Ihres Heilands Blut und Tränen Spottend noch einmal verkaufen, Ohne Klage, Wunsch und Sehnen In der Zeiten Strom ersaufen;
Denk ich dann, wie du gestanden Treu, da niemand treu geblieben: Möcht ich, über unsre Schande Tiefentbrannt in zorngem Lieben,
Wurzeln in der Felsen Marke, Und empor zu Himmels Lichten Stumm anstrebend, wie die starke Riesentanne, mich aufrichten.
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Interpretation
Das Gedicht "Zorn" von Joseph von Eichendorff ist ein eindringliches Werk, das den Zorn und die Enttäuschung des lyrischen Ichs über den moralischen Verfall der Gesellschaft zum Ausdruck bringt. Das Gedicht ist in fünf Strophen gegliedert, die jeweils einen bestimmten Aspekt des Themas beleuchten. In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich die Szenerie eines verfallenen Hauses, in dem alte Waffen hängen. Diese Waffen funkeln zornig im Morgenlicht und symbolisieren den Zorn des lyrischen Ichs über die Vergangenheit und die Gegenwart. Die Waffen stehen für den Mut und die Tapferkeit vergangener Helden, die das Land gerettet haben. Die zweite Strophe führt die Gedanken des lyrischen Ichs weiter. Es denkt an das neue Geschlecht von Zwergen, das die Felsen erklimmt und sich frech und feige verhält. Diese Zwerge verkaufen das Blut und die Tränen ihres Heilands und ertrinken schließlich im Strom der Zeit, ohne Klage, Wunsch oder Sehnen. Dies ist eine Metapher für die moralische Verkommenheit und den Mangel an Ehrgefühl in der Gesellschaft. In der dritten Strophe reflektiert das lyrische Ich über die Treue, die es in der Vergangenheit erfahren hat. Es denkt an jemanden, der treu geblieben ist, als niemand sonst treu war. Dies könnte sich auf eine bestimmte Person oder auf eine höhere Macht beziehen, die dem lyrischen Ich in schwierigen Zeiten beigestanden hat. Die letzte Strophe drückt den Wunsch des lyrischen Ichs aus, sich inmitten des moralischen Verfalls zu erheben und zu wachsen. Es möchte Wurzeln in der Felsenmark schlagen und sich wie eine starke Riesentanne zum Himmel aufrichten. Dies ist ein Symbol für die Entschlossenheit des lyrischen Ichs, sich gegen den moralischen Verfall zu stemmen und sich zu erheben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Frech, wenns sonnig auf den Bergen
- Bildsprache
- Seh ich im verfallnen, dunkeln Haus die alten Waffen hangen
- Hyperbel
- Möcht ich, über unsre Schande / Tiefentbrannt in zorngem Lieben
- Metapher
- Wo im wilden Zug der Wetter, / Aufs gekreuzte Schwert gebogen, / Einst gehaust des Landes Retter
- Personifikation
- Zornig aus dem Roste funkeln
- Symbolik
- Und empor zu Himmels Lichten / Stumm anstrebend, wie die starke / Riesentanne, mich aufrichten