Zorn und Liebe
1839O Zorn! du Abgrund des Verderben, Du unbarmherziger Tyrann, Du frißt und tötest ohne Sterben Und brennest stets von Neuem an; Wer da gerät in deine Haft Gewinnt der Hölle Eigenschaft.
Wo ist, o Liebe, deine Tiefe, Der Abgrund deiner Wunderkraft? Oh, wer an deiner Quell entschliefe, Der hätte Gottes Eigenschaft; O wer, o Lieb, in deinem Meer Gleich einem Tropfen sich verlör!
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Interpretation
Das Gedicht "Zorn und Liebe" von Clemens Brentano kontrastiert die zerstörerische Natur des Zorns mit der erlösenden Kraft der Liebe. Der Zorn wird als unerbittlicher Tyrann dargestellt, der ohne Erbarmen verzehrt und tötet, stets neue Flammen der Zerstörung entfacht. Wer in seinen Bann gerät, verliert sich in den Eigenschaften der Hölle, was auf eine irreversible Verderbnis hindeutet. Im Gegensatz dazu wird die Liebe als tiefgründig und wunderbar beschrieben, mit einer unergründlichen Tiefe und einer Kraft, die göttliche Eigenschaften verleiht. Wer an ihrer Quelle entschläft, gewinnt eine himmlische Natur, während das Eintauchen in ihre Tiefen einem Tropfen gleicht, der sich im Meer verliert – ein Bild für völlige Auflösung und Einheit mit dem Göttlichen. Brentano verwendet starke, kontrastierende Bilder, um die beiden Emotionen zu verdeutlichen. Während der Zorn als Abgrund des Verderbens und als ewige Flamme beschrieben wird, ist die Liebe ein Abgrund der Wunder und ein Meer der Erlösung. Das Gedicht vermittelt eine klare Botschaft: Zorn führt zur Zerstörung und zum Verlust der Menschlichkeit, während Liebe zur Erlösung und zur Annäherung an das Göttliche führt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Du frißt und tötest ohne Sterben
- Hyperbel
- Und brennest stets von Neuem an
- Metapher
- O wer, o Lieb, in deinem Meer Gleich einem Tropfen sich verlör!
- Parallelismus
- Wo ist, o Liebe, deine Tiefe, Der Abgrund deiner Wunderkraft?
- Personifikation
- Du unbarmherziger Tyrann