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Zigeunerliedchen II

Von

Jeden Morgen, in der Frühe,
Wenn mich weckt das Tageslicht,
Mit dem Wasser meiner Augen
Wasch′ ich dann mein Angesicht.

Wo die Berge hoch sich türmen
An dem Saum des Himmels dort,
Aus dem Haus, dem schönen Garten,
Trugen sie bei Nacht mich fort.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Zigeunerliedchen II von Emanuel Geibel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Zigeunerliedchen II“ von Emanuel Geibel zeichnet ein Gefühl von Freiheit, Naturverbundenheit und einer vielleicht verlorenen Heimat. Es ist ein kurzes, prägnantes Gedicht, das mit einfachen Worten eine tiefe Sehnsucht und eine besondere Beziehung zur Umgebung zum Ausdruck bringt.

Die ersten vier Zeilen beschreiben einen einfachen, alltäglichen Morgen, der jedoch eine besondere Note erhält. Das „Tageslicht“ weckt den Sprecher, und das Waschen mit dem „Wasser meiner Augen“ deutet auf eine tiefe Empfindung hin, vielleicht Traurigkeit oder Sehnsucht, die in den eigenen Tränen ausgedrückt wird. Diese Zeilen erzeugen eine intime und melancholische Atmosphäre, die durch die Reduziertheit der Beschreibung noch verstärkt wird.

Die zweite Strophe, die aus den letzten vier Zeilen besteht, führt den Leser in eine andere Welt ein. Die Berge, die sich am Horizont „hoch sich türmen“, werden zu einem zentralen Element der Szenerie. Hier wird die Geschichte von einer Entführung im Kontext des „Haus[es], dem schönen Garten“ erzählt, aus dem der Sprecher entführt wurde. Dieser Übergang von der intimen Morgenroutine zu einer erzählerischen Dimension gibt dem Gedicht eine zusätzliche Ebene.

Insgesamt spiegelt das Gedicht die Themen Sehnsucht, Verlust und Freiheit wider. Die Verwendung einfacher Sprache und die prägnante Struktur verstärken die emotionale Wirkung. Das Gedicht evoziert ein Gefühl der Wehmut und der Erinnerung an einen Ort und eine Zeit, die dem Sprecher nun entrissen wurden. Die Beschwörung der Natur und des eigenen Befindens im Kontext einer erzählten Geschichte machen das Gedicht zu einer eindrucksvollen Darstellung der Zerrissenheit zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.