Zigeunerliedchen II

Emmanuel Geibel

1849

Jeden Morgen, in der Frühe, Wenn mich weckt das Tageslicht, Mit dem Wasser meiner Augen Wasch′ ich dann mein Angesicht.

Wo die Berge hoch sich türmen An dem Saum des Himmels dort, Aus dem Haus, dem schönen Garten, Trugen sie bei Nacht mich fort.

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Interpretation

Das Gedicht "Zigeunerliedchen II" von Emmanuel Geibel handelt von einem lyrischen Ich, das sich als Kind von den Zigeunern geraubt fühlt und nun in ihrer Gemeinschaft lebt. Die ersten beiden Strophen beschreiben die morgendliche Routine des lyrischen Ichs, das sich mit den Tränen seiner Augen wäscht, da es seine Heimat und seine Eltern vermisst. Die dritte Strophe erzählt, wie das Kind bei Nacht aus seinem schönen Haus und Garten entführt wurde, als die Berge noch hoch am Himmel standen. Das Gedicht thematisiert die Sehnsucht und das Heimweh des lyrischen Ichs, das zwischen zwei Welten gefangen ist: der Zigeunerkultur, in der es aufgewachsen ist, und der bürgerlichen Gesellschaft, aus der es stammt. Die Tränen, mit denen es sich wäscht, symbolisieren sowohl die Trauer über den Verlust der Familie als auch die Hoffnung auf eine Rückkehr. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und lässt den Leser am Schicksal des lyrischen Ichs teilhaben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Wo die Berge hoch sich türmen an dem Saum des Himmels dort
Metapher
Aus dem Haus, dem schönen Garten, trugen sie bei Nacht mich fort
Personifikation
Wo die Berge hoch sich türmen