Zigeunerliedchen I
1840Unter die Soldaten ist ein Zigeunerbub′ gegangen, Mit dem Handgeld ging er durch, und morgen muß er hangen.
Holten mich aus meinem Kerker, setzten auf den Esel mich, Geißelten mir meine Schultern, daß das Blut floß auf den Weg.
Holten mich aus meinem Kerker, stießen mich ins Weite fort, Griff ich rasch nach meiner Büsche, tat auf sie den ersten Schuß.
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Interpretation
Das Gedicht "Zigeunerliedchen I" von Emmanuel Geibel erzählt von einem Zigeunerbuben, der unter die Soldaten gegangen ist und am nächsten Tag gehängt werden soll. Die Verse beschreiben eine düstere und brutale Atmosphäre, die von Gewalt und Ungerechtigkeit geprägt ist. Der Zigeunerbube scheint ein Außenseiter zu sein, der in eine Welt voller Härte und Strafe geraten ist. In den folgenden Zeilen wird die brutale Behandlung des Zigeunerbuben dargestellt. Er wird aus seinem Kerker geholt und auf einen Esel gesetzt, was seine Demütigung und Unterwerfung symbolisiert. Die Geißelung seiner Schultern, bei der Blut auf den Weg fließt, verdeutlicht die grausame Bestrafung, die er erleiden muss. Diese Szenen vermitteln ein Gefühl von Schmerz und Demütigung, das den Zigeunerbuben erleiden muss. Im letzten Vers des Gedichts zeigt sich eine überraschende Wendung. Der Zigeunerbube, der zuvor als Opfer dargestellt wurde, greift zu seiner Büchse und schießt. Diese Handlung deutet auf einen Akt der Selbstverteidigung oder des Widerstands hin. Es könnte darauf hindeuten, dass der Zigeunerbube, trotz seiner Unterdrückung, einen Funken Rebellion in sich trägt und bereit ist, für seine Freiheit zu kämpfen. Das Gedicht endet somit mit einem Hauch von Hoffnung und dem Ausbruch aus der Gewaltspirale.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Holten mich aus meinem Kerker, setzten auf den Esel mich
- Anapher
- Holten mich aus meinem Kerker, setzten auf den Esel mich
- Bildlichkeit
- Geißelten mir meine Schultern, daß das Blut floß auf den Weg
- Kontrast
- Unter die Soldaten ist ein Zigeunerbub′ gegangen
- Metaphor
- Tat auf sie den ersten Schuß