Zeuch ein zu deinen Toren
1653Zeuch ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast, o hochgeliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreist.
Zeuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hülf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin.
Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll. Dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl; es steigt zum Himmel an, es steiget sonder Ende, bis der sich zu uns wende, der allen helfen kann.
Du bist ein Geist der Freuden, willst unser Trauern nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches Mal hast du mit süßen Worten mir aufgetan die Pforten zum goldnen Freudensaal.
Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft Feind du bist, willst, daß durch Liebesklammern sich wieder tu zusammen, was voller Zwietracht ist.
Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie es dir wohlgefällt. So gib doch deine Gnad zu Fried- und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hatö
Beschirm die Obrigkeiten, bau unsers Fürsten Thron, steh ihm und uns zur Seiten; schmück als mit einer Kron die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land.
Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, der sich dir widersetzes und, was dein Herz ergötzet, aus unserm Herzen reißt.
Richt unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs sollen geben in Todes Hände hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus.
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Interpretation
Das Gedicht "Zeuch ein zu deinen Toren" von Paul Gerhardt ist ein geistliches Lied, das den Heiligen Geist als Gast im Herzen des Gläubigen einlädt. Der Dichter bittet den Geist, in sein Herz einzuziehen und ihm seine Kraft zu schenken, die von Sünden befreit und zur rechten Anbetung befähigt. Er preist den Geist als Lehrer des Gebets und als Quelle der Freude und des Trostes in Zeiten des Leids. Gerhardt betont die Rolle des Geistes als Geist der Liebe, der Feindschaft und Zwietracht überwindet und Einheit und Frieden fördert. In den folgenden Strophen erweitert Gerhardt seine Bitten und Anliegen. Er bittet den Geist, die Gemüter mit reinem Glauben zu erfüllen und die Häuser und Güter mit Segen zu segnen. Er ruft den Geist dazu auf, den bösen Geist zu vertreiben, der sich dem Willen Gottes widersetzt. Gerhardt bittet auch um Führung und Schutz für die Obrigkeiten und den Fürsten, sowie um Tugend und Gottesfurcht für das Volk im ganzen Land. Das Gedicht schließt mit einem Gebet um ein Leben, das ganz nach dem Willen des Geistes ausgerichtet ist. Gerhardt bittet um die Gnade, im Tode fröhlich sterben zu können und das ewige Leben zu erben. Insgesamt ist das Gedicht ein tief empfundenes Plädoyer für die Gegenwart und die transformative Kraft des Heiligen Geistes im Leben des Gläubigen und in der Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Du bist ein Geist der... Du bist ein Geist der... Du bist ein Geist der...
- Apostrophe
- Zeuch ein zu deinen Toren, sei meines Herzen Gast
- Bildsprache
- zum goldnen Freudensaal
- Hyperbel
- es steiget sonder Ende
- Kontrast
- willst unser Trauern nicht
- Metapher
- des ewgen Lebens Haus
- Parallelismus
- mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreist
- Personifikation
- der sich dir widersetzes