Zensur
1816Nur immer frisch verboten, nur immer konfisziert! Und ging’ es auch nach Noten, ihr weckt doch nicht die Toten, das Leben triumphiert!
Ihr traurigen Kapuzen, ihr aller Wahrheit Feind, ihr wollt den Adler stutzen, die Sonne wollt ihr putzen, weil sie zu hell euch scheint?!
Umsonst! Ihr könnt nicht hindern, auch nicht das kleinste Wort! Ihr könnt den Haß nicht mindern, ihr könnt die Glut nicht lindern, die grimmig euch verdorrt!
Gebt acht, die Stunden schleichen, die Morgensonne strahlt: Gebt acht, ich seh’ ein Zeichen, da werden noch mit Streichen die Striche euch bezahlt!
So nährt ihr selbst die Flamme, die selber euch verzehrt: Schon knistert es am Stamme - O daß euch Gott verdamme! Ihr seid kein Mitleid wert.
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Interpretation
Das Gedicht "Zensur" von Robert Eduard Prutz ist eine leidenschaftliche Kritik an der Zensur und ihren Wirkungsmächten. Prutz vermittelt die Idee, dass das Verbot von Meinungen und die Konfiszierung von Literatur den freien Geist und das Leben nicht unterdrücken können. Trotz aller Versuche der Zensoren, die "traurigen Kapuzen" und "Feinde der Wahrheit", den Adler (oft ein Symbol für Freiheit) zu stutzen und die Sonne (ein Symbol für Erleuchtung und Wissen) zu verdunkeln, triumphiert das Leben. Das Gedicht betont, dass die Zensoren nicht in der Lage sind, selbst das kleinste Wort zum Schweigen zu bringen, noch können sie den Hass oder die Glut der unterdrückten Ideen mindern. Prutz warnt die Zensoren, dass ihre Taten Konsequenzen haben werden. Die "Stunden schleichen" und die "Morgensonne strahlt" symbolisieren den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und das Erwachen des Bewusstseins. Es wird angedeutet, dass die Zensoren für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden, und dass die "Striche" (ein Wortspiel mit dem Zensurstreifen und der Abrechnung) ihnen "bezahlt" werden. Das Gedicht endet mit einer düsteren Prophezeiung: Die Zensoren nähren selbst die Flamme, die sie letztendlich verzehren wird. Der Baum, der von innen her knistert, deutet auf den bevorstehenden Untergang der Zensoren hin, und Prutz schließt mit einem Fluch, der besagt, dass sie des Mitleids nicht würdig sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Nur immer frisch verboten, nur immer konfisziert
- Bildsprache
- Schon knistert es am Stamme
- Hyperbel
- Ihr könnt den Haß nicht mindern, ihr könnt die Glut nicht lindern
- Ironie
- Ihr seid kein Mitleid wert
- Metapher
- Ihr wollt den Adler stutzen, die Sonne wollt ihr putzen
- Personifikation
- Die Morgensonne strahlt
- Symbolik
- Die Stunden schleichen, die Morgensonne strahlt