XXXV. Lange bin ich geweset verdâht
1222Lange bin ich geweset verdâht und unvrô von rehter minnen. nû hât men mir maere brâht, der ist vrô mîn herze inbinnen. Ich sol trôst gewinnen von der vrowen mîn. wie möht ich danne trûric sîn? ob ir rôter munt tuot mir vröide kunt, sô getrûr ich niemer mê. ez ist quît, was mir wê.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Lange bin ich geweset verdâht" von Heinrich von Morungen handelt von der tiefen Liebe und der damit verbundenen Freude des lyrischen Ichs. Der Dichter beschreibt, wie er lange Zeit unglücklich war, da er sich nach der wahren Liebe sehnte. Doch nun hat sich sein Zustand gewandelt, da ihm jemand die frohe Botschaft überbracht hat, dass die Frau seiner Träume in seinem Herzen ist. Das lyrische Ich betont, dass es Trost von seiner Geliebten erhalten wird und fragt sich, wie es da noch traurig sein könnte. Die Vorstellung von dem roten Mund der Frau und dem Glück, das er ihr bringt, erfüllt das lyrische Ich mit solcher Freude, dass es nie wieder traurig sein wird. Die Erwähnung des roten Mundes symbolisiert die Leidenschaft und die erotische Anziehungskraft der Geliebten. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass alles, was dem lyrischen Ich widerfahren ist, vergeben ist. Dies deutet darauf hin, dass die vergangenen Leiden und Enttäuschungen durch die neue Liebe vergessen sind und das lyrische Ich nun vollkommen glücklich ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Lange bin ich geweset verdâht und unvrô von rehter minnen
- Enjambement
- Ich sol trôst gewinnen von der vrowen mîn. wie möht ich danne trûric sîn?
- Metapher
- der ist vrô mîn herze inbinnen
- Parallelismus
- ob ir rôter munt tuot mir vröide kunt, sô getrûr ich niemer mê
- Rhetorische Frage
- wie möht ich danne trûric sîn?