XXXIII b. Ich wil immer singen
1150I
Ich wil immer singen dîne hôhen wirdekeit und an allen dingen dînen hulden sîn gereit. Vrouwe, ich kan niht wenken … hâstu tugende und êren vil, daz wolte ich und immer wil.
II
Sie sint unverborgen, vrouwe, swaz du tugende hâs. den âbent und den morgen sagent si allez, daz du begâs. Dîne redegesellen die sint, swie wir wellen, guoter worte und guoter site. dâ bist du getiuret mite.
III
Vrouwe, ich wil mit hulden reden ein wênic wider dich. daz solt dû verdulden. zürnest dû, sô swîge aber ich. Wilt du dîner jugende kumen gar zuo tugende, sô tuo vriunden vriuntschaft schîn, swie dir doch ze muote sî.
IV
Nieman sol daz rechen, ob ich hôhe sprüche hân. wâ von sol der sprechen, der nie hôhen muot gewan? Ich hân hôchgemüete. vrouwe, dîne güete, sît ich die alrêrst sach, sô weste ich wol, waz ich sprach.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "XXXIII b. Ich wil immer singen" von Heinrich von Morungen ist ein Minnelied, das die unerschütterliche Verehrung und Anbetung der Geliebten durch den Sprecher zum Ausdruck bringt. In der ersten Strophe betont der Sprecher seine Absicht, immer die hohe Würde seiner Dame zu preisen und ihre Tugenden in allem zu ehren. Er gesteht, dass er nicht anders kann, als sie zu loben, da sie so viele Tugenden und Ehren besitzt, die er immer würdigen möchte. Die zweite Strophe unterstreicht die Offenheit und Transparenz der Tugenden der Dame. Der Sprecher versichert, dass ihre Tugenden weder am Abend noch am Morgen verborgen bleiben, sondern von allen verkündet werden. Ihre Gesprächspartner sind stets freundlich und von guter Sitte, und die Dame selbst ist von höfischer Höflichkeit geprägt. Dies verstärkt das Bild einer vorbildlichen und bewundernswerten Dame. In der dritten Strophe bittet der Sprecher um Nachsicht für seine Worte, die er im Lob seiner Dame äußert. Er verspricht, still zu sein, sollte sie zornig werden, und ermutigt sie, ihre Jugend mit Tugend zu verbinden. Er rät ihr, Freundschaft zu zeigen, wie es ihr beliebt, und betont damit die Bedeutung von Harmonie und gegenseitigem Respekt in ihrer Beziehung. Die letzte Strophe rechtfertigt die hohen Worte des Sprechers, indem er behauptet, dass niemand ihm dies vorwerfen sollte, da er einen hohen Mut besitzt. Seit er zum ersten Mal die Güte seiner Dame sah, weiß er genau, was er sagt. Dies unterstreicht die tiefe Bewunderung und den Respekt, den der Sprecher für seine Dame empfindet, und bestätigt die Aufrichtigkeit seiner Lobpreisungen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ich wil immer singen
- Hyperbel
- Ich wil immer singen
- Kontrast
- zürnest dû, sô swîge aber ich
- Metapher
- hôhe sprüche
- Parallelismus
- den âbent und den morgen
- Personifikation
- Sie sint unverborgen
- Rhetorische Frage
- Wâ von sol der sprechen
- Vergleich
- die sint, swie wir wellen