XXXIII a. Ich wil ein reise

Heinrich von Morungen

1851

I

Ich wil ein reise. wünschent, daz ich wol gevar. dâ wirt manic weise, diu lant wil ich brennen gar. Mîner vrowen rîche, swaz ich des bestrîche, daz muoz allez werden verlorn, sî enwende mînen zorn.

II

Helfet singen alle, mîne vriunt, und zieht ir zuo mit… schalle, daz si mir genâde tuo. Schrîet, daz mîn smerze mîner vrowen herze breche und in ir ôren gê. sî tuot mir ze lange wê.

III

Vrowe, ich wil mit hulden reden ein wênic wider dich. daz solt dû verdulden. zürnest dû, sô swîge aber ich. Wiltu dîne jugende kroenen wol mit tugende, sô wis mir genaedic, süeziu vruht, und troeste mich dur dîne zuht.

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Illustration zu XXXIII a.   Ich wil ein reise

Interpretation

Das Gedicht "XXXIII a. Ich wil ein reise" von Heinrich von Morungen handelt von einem unglücklichen Liebenden, der von seiner Geliebten unerwiderte Liebe erfährt. Der Sprecher drückt seinen Schmerz und seine Verzweiflung über die Kälte und Abweisung seiner Angebeteten aus. Er sehnt sich danach, eine Reise anzutreten, um ihr zu entfliehen und seinen Kummer zu vergessen. In den einzelnen Strophen variiert der Sprecher seine Herangehensweise, um die Gunst der Frau zu gewinnen. Er droht damit, ihr Reich niederzubrennen und sie mit seinem Zorn zu bestrafen, falls sie ihm nicht entgegenkommt. Anschließend bittet er seine Freunde um Hilfe, indem sie laut für ihn singen und schreien sollen, um die Herzen der Frau zu erweichen und ihr Mitleid zu erregen. Schließlich versucht er einen versöhnlichen Ton anzuschlagen und bittet die Dame höflich um ein Gespräch, in dem er ihr seine Gefühle offenbaren möchte. Das lyrische Ich zeigt sich als leidenschaftlicher und verzweifelter Liebhaber, der bereit ist, extreme Maßnahmen zu ergreifen, um die Aufmerksamkeit und Zuneigung seiner Angebeteten zu erlangen. Die Frau bleibt jedoch ungerührt und ignoriert seine Avancen, was den Sprecher in einen Zustand tiefer Trauer und Verzweiflung versetzt. Das Gedicht verdeutlicht die schmerzhafte Erfahrung unerwiderter Liebe und die damit verbundenen emotionalen Höhen und Tiefen.

Schlüsselwörter

daz wil wol vrowen reise wünschent gevar wirt

Wortwolke

Wortwolke zu XXXIII a.   Ich wil ein reise

Stilmittel

Alliteration
Helfet singen alle, mîne vriunt, und zieht ir zuo
Anapher
Ich wil ein reise. Wünschent, daz ich wol gevar. Dâ wirt manic weise, diu lant wil ich brennen gar.
Bedingung
Zürnest dû, sô swîge aber ich.
Hyperbel
Und in ir ôren gê.
Personifikation
Sî enwende mînen zorn.