XXVII. Si hât mich verwunt

Heinrich von Morungen

1150

I

Si hât mich verwunt rehte aldurch mîn sêle in den vil toetlîchen grunt, dô ich ir tet kunt, daz ich tobte unde quêle umb ir vil güetlîchen munt. Den bat ich zeiner stunt, daz er mich ze dienste ir bevêle und daz er mir stêle von ir ein senftez küssen, sô waer ich iemer gesunt.

II

Wie wirde ich gehaz ir vil rôsevarwen munde, des ich noch niender vergaz! doch sô müet mich daz, daz si mir zeiner stunde sô mit gewalt vor gesaz. Des bin ich worden laz, alsô daz ich vil schiere wol gesunde in der helle grunde verbrunne, ê ich ir iemer diende, in wisse umbe waz.

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Illustration zu XXVII.   Si hât mich verwunt

Interpretation

Das Gedicht "XXVII. Si hât mich verwunt" von Heinrich von Morungen beschreibt die tiefe Verwundung der Seele des lyrischen Ichs durch die Geliebte. In der ersten Strophe wird deutlich, dass die Liebe so intensiv ist, dass sie das Ich fast in den Tod getrieben hat. Der Sprecher bittet darum, im Dienst der Geliebten bleiben zu dürfen, und wünscht sich ein sanftes Küsschen von ihr, um geheilt zu werden. Die zweite Strophe setzt die Thematik fort, indem das Ich seine Sehnsucht nach dem Kuss der Geliebten ausdrückt. Es betont, dass es diesen Kuss nie vergessen hat und dass die Geliebte ihn mit Gewalt von sich gewiesen hat. Das Ich fühlt sich dadurch so erschöpft, dass es lieber in der Hölle verbrennen würde, als ihr jemals dienen zu können, ohne zu wissen, warum. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Intensität und den Schmerz unerfüllter Liebe. Das Ich ist tief verletzt und sehnt sich nach der Nähe der Geliebten, die es jedoch nicht erreichen kann. Die Metapher des Kusses als Heilmittel unterstreicht die Bedeutung körperlicher Nähe und Zärtlichkeit für das emotionale Wohlbefinden des Sprechers.

Schlüsselwörter

daz vil zeiner iemer verwunt rehte aldurch grunt

Wortwolke

Wortwolke zu XXVII.   Si hât mich verwunt

Stilmittel

Alliteration
vil rôsevarwen munde
Bildsprache
si hât mich verwunt rehte aldurch mîn sêle in den vil toetlîchen grunt
Hyperbel
daz ich tobte unde quêle umb ir vil güetlîchen munt
Kontrast
in der helle grunde verbrunne, ê ich ir iemer diende, in wisse umbe waz
Metapher
Si hât mich verwunt rehte aldurch mîn sêle
Personifikation
und daz er mir stêle von ir ein senftez küssen