XVIII. Diu vil guote

Heinrich von Morungen

unbekannt

I

Diu vil guote, daz si saelic müeze sîn! wê der huote, diu der welte sô liehten schîn An ir hât benomen, daz man si niht wan selten sêt, sô diu sunne, diu des âbendes under gêt.

II

Ich muoz sorgen, wen diu lange naht zergê gegen dem morgen, daz ichs einest an gesê, Mîn vil liebe sunnen, diu mir sô wunnenclîchen taget, daz mîn ouge ein trüebez wolken wol verklaget.

III

Swer der vrouwen hüetet, dem künde ich den ban; wan durch schouwen sô geschuof si got dem man, Daz si waer ein spiegel, al der werlde ein wunne gar. waz sol golt begraben, des nieman wirt gewar?

IV

Wê der huote, die man reinen wîben tuot! huote machet staete vrouwen wankelmuot. Man sol vrouwen schouwen unde lâzen âne twanc. ich sach, daz ein sieche verboten wazzer tranc.

V

Ascholoie diu vil guote heizet wol. erst von Troie Paris, der si minnen sol. Obe er kiesen solde under den schoenesten, die nu leben sô wurde ir der apfel, waer er unvergeben.

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Illustration zu XVIII.   Diu vil guote
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Interpretation

Das Gedicht "Diu vil guote" von Heinrich von Morungen handelt von der Schönheit und dem Wert einer Frau, die mit der Sonne verglichen wird. In den ersten beiden Strophen wird die Frau als strahlend und begehrenswert beschrieben, wobei ihre Schönheit so überwältigend ist, dass sie die Welt in den Schatten stellt. Der Sprecher leidet unter der Trennung von seiner Geliebten, die er mit der untergehenden Sonne vergleicht. In der dritten Strophe wird die Frau als Spiegel der Welt und Quelle der Freude dargestellt, wobei ihr Wert mit dem von Gold verglichen wird. Der Sprecher betont, dass es wichtig ist, Frauen zu schützen und ihnen Freiheit zu lassen, da sie ansonsten unbeständig werden können. In der letzten Strophe wird die Frau mit Helena von Troja verglichen, die als Inbegriff der Schönheit gilt und den Trojanischen Krieg auslöste. Der Sprecher behauptet, dass die Frau selbst dann noch die schönste wäre, wenn Paris zwischen ihr und anderen Frauen wählen müsste.

Schlüsselwörter

diu daz vil huote vrouwen sol guote wan

Wortwolke

Wortwolke zu XVIII.   Diu vil guote

Stilmittel

alliteration
Diu vil guote, daz si saelic müeze sîn!
anspielung
erst von Troie Paris, der si minnen sol
hyperbel
Mîn vil liebe sunnen, diu mir sô wunnenclîchen taget
personifikation
Ich muoz sorgen, wen diu lange naht zergê
vergleich
sô diu sunne, diu des âbendes under gêt