XVI. Wê, wie lange sol ich ringen
unknownI
Wê, wie lange sol ich ringen umbe ein wîp, der i c h noch nie wort zuo gesprach? wie sol mir an ir gelingen? seht, des wundert m i c h, wan es ê niht geschach, Daz ein man also tobt, als ich tuon zaller zît, daz ich sî sô herzeclîche minne und es ê nie gewuoc und ir dient iemer sît.
II
Ich weiz vil wol, daz si lachet, swenne ich vor ir stân und enweiz, wer ich bin. sa zehant bin ich geswachet, swenne ir schoene nimt mir sô gar mînen sin. Got weiz wol, daz si noch mîniu wort nie vernam, wan daz ich ir diende mit gesange, sô ich beste kunde, und als ir wol gezam.
III
Owê des, waz rede ich tumme? daz ich niht enrette als ein saeliger man! sô swîge ich rehte als ein stumme, der von sîner nôt niht gesprechen enkan, Wan daz er mit der hant sîniu wort tiuten muoz. als erzeige ich ir mîn wundez herze unde valle vür sî unde nîge ûf ir vuoz.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "XVI. Wê, wie lange sol ich ringen" von Heinrich von Morungen thematisiert die unerwiderte Liebe des lyrischen Ichs zu einer Frau, die ihm unerreichbar erscheint. In der ersten Strophe beschreibt der Sprecher seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung, da er sich fragt, wie er jemals die Gunst dieser Frau gewinnen kann, obwohl er noch nie ein Wort mit ihr gesprochen hat. Die Leidenschaft, die er für sie empfindet, ist so stark, dass er sich selbst wundert, dass er noch nie zuvor eine solche Liebe erlebt hat. In der zweiten Strophe reflektiert der Sprecher über die Reaktion der Frau auf seine Anwesenheit. Er weiß, dass sie lacht, wenn er vor ihr steht, aber er ist sich bewusst, dass sie nicht weiß, wer er ist. Die Schönheit der Frau raubt ihm den Verstand, und er fühlt sich hilflos und schwach. Obwohl er ihr mit Gesang und Worten dienen möchte, so gut er kann, scheint seine Bemühung vergeblich, da sie seine Worte nie gehört hat. Die dritte Strophe offenbart die tiefe Verzweiflung des lyrischen Ichs. Er fragt sich, warum er sich selbst solche Qualen antut, da er genauso gut ein glücklicher Mann sein könnte. Er beschließt, still zu sein wie ein Stummer, der nicht in der Lage ist, seine Not auszudrücken. Stattdessen wird er seine Liebe durch Taten zeigen, indem er vor ihr fällt und sich zu ihren Füßen niederwirft, in der Hoffnung, dass sie seine tiefe Liebe und Hingabe erkennt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- daz ich niht enrette als ein saeliger man
- Anapher
- Wê, wie lange sol ich ringen
- Bildsprache
- ich beste kunde, und als ir wol gezam
- Hyperbel
- als ich beste kunde, und als ir wol gezam
- Kontrast
- swîge ich rehte als ein stumme
- Metapher
- als ein saeliger man
- Personifikation
- Got weiz wol, daz si noch mîniu wort nie vernam
- Rhetorische Frage
- Wê, wie lange sol ich ringen
- Vergleich
- als ein stumme
- Wiederholung
- und ir dient iemer sît