XIX. Vrowe, wilt du mich genern
unknownVrowe, wilt du mich genern, sô sich mich ein vil lützel an. ich enmac mich langer niht erwern, den lîp muoz ich verlorn hân. Ich bin siech, mîn herze ist wunt. vrowe, daz hânt mir getân mîn ougen und dîn rôter munt.
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Interpretation
Das Gedicht "XIX. Vrowe, wilt du mich genern" von Heinrich von Morungen handelt von einem unglücklich verliebten Mann, der von seiner Angebeteten abgewiesen wird. Der Sprecher fleht die Dame an, ihn nicht noch mehr zu kränken und weist auf seine eigene Hilflosigkeit und Verletzlichkeit hin. Im ersten Versabschnitt bittet der Sprecher die Dame, ihn nicht weiter zu kränken ("Vrowe, wilt du mich genern"), da er bereits sehr leidet ("sô sich mich ein vil lützel an"). Er betont, dass er sich nicht mehr lange gegen die Ablehnung der Dame wehren kann ("ich enmac mich langer niht erwern") und dass er seinen Körper bereits verloren hat ("den lîp muoz ich verlorn hân"). Im zweiten Versabschnitt beschreibt der Sprecher seinen Zustand als krank und verwundet ("Ich bin siech, mîn herze ist wunt"). Er wirft der Dame vor, ihm mit ihren Augen und ihrem roten Mund Leid zugefügt zu haben ("vrowe, daz hânt mir getân mîn ougen und dîn rôter munt"). Damit verdeutlicht er, dass die Dame durch ihren Anblick und ihre Schönheit sein Herz erobert hat, ihn aber gleichzeitig in seiner Liebe leiden lässt. Insgesamt drückt das Gedicht die tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit des Sprechers aus, der von seiner Angebeteten nicht erhört wird und unter der unerfüllten Liebe leidet. Die Dame wird als eine mächtige und begehrenswerte Frau dargestellt, die den Sprecher durch ihre Schönheit in ihren Bann zieht, ihm aber gleichzeitig Schmerz und Leid zufügt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Vrowe, wilt du mich genern
- Hyperbel
- ich enmac mich langer niht erwern
- Kontrast
- den lîp muoz ich verlorn hân
- Metapher
- mîn herze ist wunt
- Personifikation
- mîn ougen und dîn rôter munt