XIII. Leitlîche blicke
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Leitlîche blicke unde grôzlîche riuwe hânt mir daz herze und den lîp nâch verlorn. mîn alte nôt die klagte ich vür niuwe, wan daz ich vürhte der schimpfaere zorn. Singe aber ich dur die, diu mich vrowet hie bevorn, sô velsche dur got nieman mîne triuwe, wan ich dur sanc bin ze der welte geborn.
II
Maniger der sprichet: “nu sehent, wie der singet! waere ime iht leit, er taete anders danne sô.” der mac niht wizzen, waz mich leides twinget. nu tuon aber ich rehte, als ich tet aldô. Dô ich in leide stuont, dô huop sî mich gar unhô. diz ist ein nôt, diu mich sanges betwinget. sorge ist unwert, dâ die liute sint vrô.
III
Diu mînes herzen ein wunne und ein krôn ist vor allen vrowen, die ich noch hân gesehen, schoene unde schoene, diu liebe aller schônist ist sî, mîn vrowe; des hoere ich ir jehen. Al diu welte si sol durch ir schoene gerne sehen. noch waere zît, daz du mir, vrowe, lônist. ich kan mit lobe anders tôrheit verjehen.
IV
Stên ich vor ir unde schouwe daz wunder, daz got mit schoene an ir lîp hât getân, sô ist des sô vil, daz ich sihe dâ besunder, daz ich vil gerne wolt iemer dâ stân. ôwê, sô muoz ich vil trûric scheiden dan, sô kumt ein wolken sô trüebez dar under, daz ich des schînen von ir niht enhân.
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Interpretation
Das Gedicht "XIII. Leitlîche blicke" von Heinrich von Morungen beschreibt die tiefe Liebe und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach seiner Angebeteten. In den ersten beiden Strophen schildert der Sprecher die Qualen seiner unerfüllten Liebe, die ihm Herz und Körper schmerzen lässt. Trotz der Schmerzen und der Verachtung anderer singt er weiterhin von seiner Liebe und bleibt seiner Angebeteten treu. In den letzten beiden Strophen wendet sich der Sprecher direkt an seine Geliebte und preist ihre Schönheit. Er sieht sie als die schönste aller Frauen und wünscht sich, dass sie ihm ihre Liebe erwidert. Die letzte Strophe beschreibt die überwältigende Schönheit der Angebeteten, die den Sprecher fasziniert und ihm schwerfällt, sich von ihr zu trennen. Trotz der Dunkelheit, die ihn umgibt, kann er nicht von ihrem Anblick lassen.
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- Metapher
- Daz ich des schînen von ir niht enhân