Wunsch eines Verliebten

Johanna Charlotte Unzer

1725

Bacchus! Vater froher Scherze! Lehre doch mein Mägdchen scherzen! Lehre sie die Sorgen hassen: Denn sie machen sie nur mürrisch! Lehre sie, den muntern Scherzen Geist und Anmuth zugesellen! Lehre sie, so oft zu trinken, Als ich ihr den Kelch will bringen, Daß sie recht die Lust empfindet, Die der Trauben Säfte geben. Hast du ihr den Scherz gelehret, Und trinkt sie dir, liebster Vater, Täglich frischen Most zu Ehren; O! so lehre sie auch lieben; Lehre sie recht feurig küssen, Und noch täglich mehr zu küssen: Dann hast du sie recht gelehret.

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Illustration zu Wunsch eines Verliebten

Interpretation

Das Gedicht "Wunsch eines Verliebten" von Johanna Charlotte Unzer ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein unbeschwertes und sinnliches Leben. Der Sprecher, offensichtlich ein verliebter Mann, bittet Bacchus, den Gott des Weines und der Ausgelassenheit, sein Mädchen in den Künsten des Vergnügens zu unterrichten. Der Ton des Gedichts ist spielerisch und erotisch, wobei der Sprecher sich eine idealisierte Beziehung wünscht, in der Sorgen und Mürrischkeit durch Freude und Scherze ersetzt werden. Der Sprecher beginnt damit, Bacchus zu bitten, sein Mädchen das Scherzen zu lehren, da Sorgen sie nur mürrisch machen. Er wünscht sich, dass sie den Geist und die Anmut des heiteren Scherzes erlernt und dass sie so oft trinkt, wie er ihr den Kelch reicht. Der Wein wird hier als Symbol für die Lust und die Freude des Lebens verwendet. Der Sprecher hofft, dass sie durch das Trinken die "Lust empfindet, die der Trauben Säfte geben". Im letzten Teil des Gedichts steigert sich der Wunsch des Sprechers zu einem Appell an Bacchus, das Mädchen auch das Lieben und Küssen zu lehren. Er wünscht sich, dass sie "recht feurig küsst" und "noch täglich mehr küsst". Der Sprecher sieht diese Fähigkeiten als den Höhepunkt der von Bacchus vermittelten Lektionen an und betrachtet sie als den Schlüssel zu einem erfüllten und glücklichen Leben. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass das Mädchen, wenn es all diese Dinge gelernt hat, "recht gelehret" ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Lehre sie
Apostrophe
Bacchus! Vater froher Scherze!
Befehlsform
Lehre doch mein Mägdchen scherzen! / Lehre sie die Sorgen hassen: / Lehre sie, den muntern Scherzen / Geist und Anmuth zugesellen!
Hyperbel
Und noch täglich mehr zu küssen
Metapher
Vater froher Scherze
Personifikation
Lehre sie die Sorgen hassen