Wunderweiße Nächte

Rainer Maria Rilke

1875

Es gibt so wunderweiße Nächte, Drin alle Dinge Silber sind. Da schimmert mancher Stern so lind, Als ob er fromme Hirten brächte Zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube Bestreut, erscheinen Flur und Flut, Und in die Herzen, traumsgemut, Steigt ein kapellenloser Glaube, Der leise seine Wunder tut.

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Interpretation

Das Gedicht "Wunderweiße Nächte" von Rainer Maria Rilke beschreibt die eindrucksvolle Schönheit einer mondbeschienenen Nacht, in der die Welt in ein silbernes Licht getaucht scheint. Die Nacht wird als "wunderweiß" bezeichnet, was ihre Reinheit und Magie betont. Die Sterne werden als sanft und mild beschrieben, als würden sie fromme Hirten zu einem neuen Jesuskind bringen. Dies verleiht der Nacht eine spirituelle und mystische Atmosphäre. Im zweiten Vers wird die Landschaft mit dem Bild des "dichten Diamantenstaubes" verglichen, der Flur und Flut überzieht. Dies verstärkt den Eindruck von Pracht und Glanz, der die Nacht durchdringt. Die Diamantenmetapher verleiht der Szene zusätzlichen Glanz und Reichtum. Die Nacht wird zu einem Ort des Staunens und der Bewunderung, an dem die Natur in ihrer vollen Pracht erstrahlt. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass in den Herzen der Menschen ein "kapellenloser Glaube" aufsteigt. Dieser Glaube wird als leise und wundersam beschrieben, was darauf hindeutet, dass er nicht laut oder aufdringlich ist, sondern subtil und tiefgreifend. Die Nacht wird zu einem Ort der spirituellen Erfahrung, an dem die Menschen eine Verbindung zu etwas Größerem als sich selbst spüren können.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
seine Wunder tut
Personifikation
Steigt ein kapellenloser Glaube
Vergleich
wie mit dichtem Diamantenstaube