Wunder (Ich)

August Stramm

1914

Du steht! Du steht! Und ich Und ich Ich winge Raumlos zeitlos wäglos Du steht! Du steht! Und Rasen bäret mich Ich Bär mich selber! Du! Du! Du bannt die Zeit Du bogt der Kreis Du seelt der Geist Du blickt der Blick Du Kreist die Welt Die Welt Die Welt! Ich Kreis das All! Und du Und du Du Stehst Das Wunder!

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Illustration zu Wunder (Ich)

Interpretation

Das Gedicht "Wunder" von August Stramm ist ein Ausdruck existenzieller Verwirrung und der Suche nach Identität. Der Sprecher scheint in einem Zustand der Auflösung und des Zerfalls zu sein, wobei die Wiederholung von "Du steht!" und "Und ich" die innere Zerrissenheit und das Gefühl des Verlusts der eigenen Identität betont. Die Worte "Raumlos zeitlos wäglos" verdeutlichen einen Zustand der Orientierungslosigkeit und des Verlusts jeglicher Struktur. Die Zeilen "Rasenbäret mich / Ich / Bär mich selber!" deuten auf eine paradoxale Situation hin, in der der Sprecher sowohl getragen als auch selbst tragend ist. Dies könnte die Ambivalenz zwischen Abhängigkeit und Autonomie widerspiegeln. Die Anrede "Du!" und die darauf folgenden Zeilen "Du bannt die Zeit / Du bogt der Kreis / Du seelt der Geist / Du blickt der Blick" lassen auf eine göttliche oder transzendente Instanz schließen, die über die Elemente des Seins und der Wahrnehmung herrscht. Im letzten Teil des Gedichts scheint der Sprecher eine Art von Erleuchtung oder Erkenntnis zu erreichen. "Kreist die Welt / Die Welt / Die Welt!" und "Ich / Kreis das All!" könnten auf eine Erkenntnis der Verbundenheit mit dem Universum hindeuten. Die Wiederholung von "Und du / Und du / Du / Steht" und das abschließende "Das / Wunder!" lassen vermuten, dass der Sprecher am Ende des Gedichts die Erkenntnis eines Wunders oder einer tiefen Wahrheit erlangt hat, die die vorherige Verwirrung auflöst und eine neue Perspektive auf das Sein und die Welt eröffnet.

Schlüsselwörter

steht welt kreis winge raumlos zeitlos wäglos rasen

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Du steht! Du steht!
Ausruf
Die Welt! / Das Wunder!
Paradox
Ich Bär mich selber!
Parallelismus
Du bannt die Zeit / Du bogt der Kreis / Du seelt der Geist / Du blickt der Blick
Wiederholung
Und du
Wortneuschöpfung
blickt