Worte trügen
1884Worte trügen - worte fliehen - Nur das lied ergreift die seele - Wenn ich dennoch dich verfehle Sei mein mangel mir verziehen.
Lass mich wie das kind der weisen Wie das kind der dörfer singen Aus den sälen will ich dringen Aus dem fabelreich der riesen.
Höhne meine sanfte plage ! einmal muss ich doch gestehen Dass ich dich im traum gesehen Und seit dem im busen trage.
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Interpretation
Das Gedicht "Worte trügen" von Stefan George thematisiert die Unzulänglichkeit der Sprache und die Kraft der Musik. Der Sprecher erkennt an, dass Worte täuschen und fliehen können, während nur das Lied die Seele wirklich ergreifen kann. Trotzdem gesteht er ein, dass er den Adressaten verfehlt hat und bittet um Vergebung für sein Versagen. In den folgenden Strophen beschreibt der Sprecher seinen Wunsch, sich von den Zwängen der Gesellschaft zu befreien und zu einer einfacheren, natürlicheren Art des Ausdrucks zurückzukehren. Er möchte wie ein weises Kind oder ein Kind aus den Dörfern singen, um aus den Sälen und dem Reich der Riesen zu entkommen. Dies symbolisiert seinen Wunsch, sich von den Konventionen und Erwartungen der höfischen Gesellschaft zu lösen. Das Gedicht endet mit einer trotzigen Aussage des Sprechers, der seine "sanfte Plage" verspottet und gesteht, dass er die angesprochene Person im Traum gesehen und seitdem in seinem Herzen getragen hat. Diese Zeilen deuten auf eine unerfüllte Liebe oder Sehnsucht hin, die der Sprecher trotz der Unzulänglichkeit der Worte auszudrücken versucht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Worte trügen - worte fliehen
- Anaphora
- Dass ich dich im traum gesehen / Und seit dem im busen trage
- Apostrophe
- Sei mein mangel mir verziehen
- Exclamation
- Höhne meine sanfte plage !
- Metaphor
- Nur das lied ergreift die seele
- Parallelism
- Lass mich wie das kind der weisen / Wie das kind der dörfer singen