Wolke

Bruno Wille

1860

Vom Riesenfelsen, Wolke, niederzieh! Schlag dein Gewand Um mich her und flieh!

Zu rauen Höhen Trage mich empor, Wohin des Menschen Wort sich nie verlor.

Wie scheut die wunde Seele diesen Laut! Wie rollt mein Auge, Wenn es Menschen schaut!

Doch Fels und Wolke Sind mein stummer Trost; Erhabne Lieder Hör ich sturmumtost.

Beruhigt lieg ich, Wo der Gießbach rauscht; Ein Seelenkranker So dem Freunde lauscht.

Von grüner Matte Zeigt das goldne Licht Des fernen Landes Lächelnd Angesicht.

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Illustration zu Wolke

Interpretation

Das Gedicht "Wolke" von Bruno Wille thematisiert die Sehnsucht eines Menschen nach Flucht und Erhebung aus der alltäglichen Welt. Der Sprecher wendet sich direkt an eine Wolke und bittet sie, ihn von einem riesigen Felsen herabzuziehen und in ihre Höhen zu tragen. Diese Höhen symbolisieren einen Ort, an dem menschliche Worte und somit die Komplexität und Verletzlichkeit menschlicher Beziehungen keine Rolle spielen. Die "wunde Seele" des Sprechers scheut den Kontakt mit Menschen, was auf eine tiefe Enttäuschung oder Verletzung in zwischenmenschlichen Beziehungen hindeutet. Die Augen des Sprechers rollen, wenn er Menschen sieht, was seine Abneigung oder Angst vor menschlicher Gesellschaft unterstreicht. In der Natur, insbesondere bei Felsen und Wolken, findet der Sprecher Trost. Die "erhabenen Lieder", die er "sturmumtost" hört, könnten die Schönheit und Ruhe der Natur symbolisieren, die im Gegensatz zur Disharmonie menschlicher Interaktionen steht. Im letzten Vers des Gedichts findet der Sprecher eine gewisse Beruhigung in der Nähe eines rauschenden Baches. Er vergleicht sich mit einem "Seelenkranken", der auf die Worte eines Freundes lauscht, was auf eine gewisse Hoffnung oder Sehnsucht nach menschlicher Verbindung hindeutet, trotz seiner offensichtlichen Enttäuschung. Das goldene Licht, das von einer grünen Matte aus das Gesicht eines fernen Landes lächeln lässt, könnte die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Welt symbolisieren, die jenseits der aktuellen Realität existiert.

Schlüsselwörter

wolke menschen riesenfelsen niederzieh schlag gewand her flieh

Wortwolke

Wortwolke zu Wolke

Stilmittel

Alliteration
Schlag dein Gewand Um mich her und flieh
Anapher
Wie scheut die wunde Seele diesen Laut! Wie rollt mein Auge, Wenn es Menschen schaut!
Bildsprache
Vom Riesenfelsen, Wolke, niederzieh!
Hyperbel
Wohin des Menschen Wort sich nie verlor
Kontrast
Doch Fels und Wolke Sind mein stummer Trost
Metapher
Wo der Gießbach rauscht
Personifikation
Schlag dein Gewand Um mich her und flieh!
Symbolik
Beruhigt lieg ich, Wo der Gießbach rauscht
Vergleich
Wie scheut die wunde Seele diesen Laut