Wohin?

Wilhelm Müller

1821

Ich hört′ ein Bächlein rauschen Wohl aus dem Felsenquell, Hinab zum Tale rauschen So frisch und wunderhell.

Ich weiß nicht, wie mir wurde, Nicht, wer den Rat mir gab, Ich mußte auch hinunter Mit meinem Wanderstab.

Hinunter und immer weiter Und immer dem Bache nach, Und immer frischer rauschte Und immer heller der Bach.

Ist das denn meine Straße? O Bächlein, sprich, wohin? Du hast mit deinem Rauschen Mir ganz berauscht den Sinn.

Was sag ich denn vom Rauschen? Das kann kein Rauschen sein: Es singen wohl die Nixen Tief unten ihren Reihn.

Laß singen, Gesell, laß rauschen Und wandre fröhlich nach! Es gehn ja Mühlenräder In jedem klaren Bach.

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Illustration zu Wohin?

Interpretation

Das Gedicht "Wohin?" von Wilhelm Müller handelt von einem Wanderer, der einem Bach folgt und sich von dessen Rauschen und Gesang verzaubern lässt. Der Wanderer hört ein Bächlein aus einem Felsenquell kommen und wird von ihm angezogen, ohne zu wissen, warum. Er folgt dem Bach hinunter ins Tal und immer weiter, wobei das Rauschen des Baches immer frischer und heller wird. Der Wanderer fragt sich, ob dies seine Straße sei und bittet das Bächlein, ihm zu sagen, wohin es fließt. Er fühlt sich vom Rauschen des Baches so berauscht, dass er nicht mehr klar denken kann. Er vermutet, dass es sich nicht um ein normales Rauschen handelt, sondern dass Nixen tief unten ihre Reime singen. Der Wanderer beschließt, das Singen und Rauschen des Baches zu genießen und fröhlich weiterzuwandern. Er erkennt, dass in jedem klaren Bach Mühlenräder laufen, die das Wasser nutzen und ihm eine Richtung geben. Das Gedicht vermittelt eine Sehnsucht nach einem unbekannten Ziel und die Faszination für die Natur und ihre Geheimnisse.

Schlüsselwörter

rauschen bächlein hinunter bach singen laß hört felsenquell

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Stilmittel

Alliteration
Laß singen, Gesell, laß rauschen
Bildsprache
Es singen wohl die Nixen / Tief unten ihren Reihn
Frage
Ist das denn meine Straße? / O Bächlein, sprich, wohin?
Hyperbel
Du hast mit deinem Rauschen / Mir ganz berauscht den Sinn
Metapher
Ich hört′ ein Bächlein rauschen / Wohl aus dem Felsenquell
Personifikation
Hinab zum Tale rauschen / So frisch und wunderhell
Symbolik
Es gehn ja Mühlenräder / In jedem klaren Bach