Wo werd ich hingerücket?
1738Mel. Auf! auf mein Herz mit Freuden. Wo werd ich hingerücket? Wohin gelange ich? Wie? ist mein Geist entzücket? O Jesu! seh ich dich? Ja! ja! hier ist gewiß Das schöne Paradieß; Hier ist der Himmels-Saal; Hier hält man Gottes Mahl.
Was hör ich dorten klingen? O was vernehm ich hier! O unaussprechlich Singen! Ich bin ganz auser mir. O unaussprechlich Wort Vor dieser Gnaden-Pfort! O Freude! die kein Mann Jemahls beschreiben kan.
Ich bin mit Glanz erfüllet, Drum blick ich Himmel- auf, Zu dem, der Thränen stillet; Nach Salem steht mein Lauf. Ich eile durch die Luft Zu dem, der droben ruft. Ich lasse diese Bahn, Und blick den Himmel an.
Drum eil ich nun von hinnen, Und säume weiter nicht, Mein Lauf ist nach den Zinnen Der Himmels-Burg gericht. Komm Tod und hole mich! So bleib ich ewiglich Mit meinem Geist und Sinn Da, wo ich jetzo bin.
O Blick! o Wunder schauen! Das alle Pracht verstöhrt. Ich geh auf Salems Auen, Wo sich die Lust vermehrt. Hier wohnt der Himmels-Fürst, Nachdem mich längst gedürst: Ich hab und halt ihn fest, Weil er sich finden läßt.
O Freude über Freude! Die meine Seel empfindt. O Jesu meine Weyde! Wie liebst du mich dein Kind: Du zeigst mir deinen Glanz, Wie auch den Ehren-Kranz, Den du mir nach der Nacht Des Todes zugedacht.
Drum fall ich kniend nieder Vor jenes Lammes Thron, Und singe Freuden-Lieder Ich lobe Gottes Sohn, Den Vater und den Geist. Die Gottheit wird gepreißt; Ich stimme wie ich kan Vor Gott das Heilig! an.
Verstöhrt nicht mein Vergnügen, Darein mich Christus setzt. O höchst-beglücktes Siegen! Das mich allein ergötzt. Ich ruf: Victoria! Ich sing: Halleluja! O Freude über Freud! O Himmels-Herrlichkeit!
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Interpretation
Das Gedicht "Wo werd ich hingerücket?" von Sidonia Hedwig Zäunemann thematisiert die sehnsuchtsvolle Suche der lyrischen Ich-Figur nach Gott und dem Himmel. In den ersten Strophen drückt der Sprecher seine Verwunderung und Freude über die Begegnung mit Jesus aus, den er als Paradies und himmlische Mahlzeit erfährt. Die unaussprechliche Schönheit und Gnade dieses Erlebnisses überwältigt den Sprecher. In den folgenden Strophen beschreibt das lyrische Ich seine Hinwendung zum Himmel und den Wunsch, sich von der irdischen Welt zu lösen. Der Tod wird als willkommener Bote gesehen, der das ewige Glück im Himmel einleitet. Der Sprecher eilt voller Sehnsucht seinem himmlischen Ziel entgegen und lässt die irdische Welt hinter sich. In den letzten Strophen feiert das lyrische Ich die Freude über die Begegnung mit Gott im Himmel. Es fühlt sich von Jesus geliebt und geborgen und preist die Dreifaltigkeit. Die überwältigende Glückseligkeit und das Gefühl des Sieges über den Tod führen zu Lobpreis und Anbetung Gottes. Das Gedicht endet in einem Ausbruch von Freude und himmlischer Herrlichkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- O Himmels-Herrlichkeit
- Metapher
- Lammes Thron
- Personifikation
- Auf! auf mein Herz mit Freuden