Wo erfrag ich den Freund
1896Wo erfrag ich den Freund, wo find ich, was ich verlohren, Sage es Morgenroth mir, wo mein Geliebter verweilt! Weihet der Priester den Schleier, der den, dich mir o Lieber vereinigt, Hält ein fremdes Gesez stets dich entfernet von mir? Aber der Morgen verstumt, verschlungen vom glühenden Tage; Abendroth, sage es mir, freundlicher milderer Schein! Aber es färbt sich die Wange des Abendroths blässer und blässer, Und es streuet auf mich wehmutsvoll perlenden Thau hin. Frag ich die Sterne, sie schweigen, verglimmen leise im Osten, Aber der Morgen kehrt wieder, und wieder erröthet der Abend, Und der ewige Kreis führet die Sterne zurük. Kehret der Morgen einst wieder, dann möge der Mittag Gierig schlingen den Morgen, und über mir grüssen die Sterne Mich verschlinge die Nacht, bis jenseits des Dunkels Wieder der Liebe Ton goldner Morgen entsprießt.
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Interpretation
Das Gedicht "Wo erfrag ich den Freund" von Karoline von Günderode handelt von der Sehnsucht nach einem verlorenen Geliebten. Die lyrische Ich-Figur fragt nach dem Verbleib des Freundes und sucht nach Antworten bei verschiedenen natürlichen Elementen wie dem Morgenrot, dem Abendrot und den Sternen. Diese wiederum schweigen oder verblassen, was die Einsamkeit und Verzweiflung der Sprecherin verstärkt. Die Natur wird als ein Ort der Ungewissheit und des Schweigens dargestellt, was die Isolation der Sprecherin noch weiter betont. Die Frage nach dem Verbleib des Geliebten bleibt unbeantwortet, was die Ungewissheit und das Gefühl des Verlustes verstärkt. Die Wiederholung von Morgen- und Abendrot symbolisiert den ewigen Kreislauf der Zeit, in dem die Suche nach dem Geliebten weitergeht, ohne dass eine Lösung in Sicht ist. Das Gedicht endet mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf eine mögliche Wiedervereinigung im Jenseits, wo die Liebe in einem "goldnen Morgen" neu erblühen soll. Dies deutet auf den Glauben an eine ewige Liebe hin, die selbst den Tod überdauert und in einem neuen, goldenen Morgen wiedererweckt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wo erfrag ich den Freund, wo find ich, was ich verlohren
- Bildsprache
- perlenden Thau hin
- Hyperbel
- Gierig schlingen den Morgen
- Kontrast
- Und wieder erröthet der Abend
- Metapher
- freundlicher milderer Schein
- Personifikation
- frag ich die Sterne, sie schweigen, verglimmen leise im Osten
- Symbolik
- der ewige Kreis führet die Sterne zurük