Wo bist du itzt

Jakob Michael Reinhold Lenz

1891

Wo bist du itzt, mein unvergeßlich Mädchen, Wo singst du itzt? Wo lacht die Flur, wo triumphiert das Städtchen, Das dich besitzt?

Seit du entfernt, will keine Sonne scheinen, Und es vereint Der Himmel sich, dir zärtlich nachzuweinen, Mit deinem Freund.

All unsre Lust ist fort mit dir gezogen, Still überall Ist Wald und Feld. Dir nach ist sie geflogen Die Nachtigall.

O komm zurück! Schon rufen Hirt und Herden Dich bang herbei. Komm bald zurück! Sonst wird es Winter werden Im Monat Mai.

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Illustration zu Wo bist du itzt

Interpretation

Das Gedicht "Wo bist du itzt" von Jakob Michael Reinhold Lenz ist ein lyrisches Werk, das die tiefe Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer geliebten Person zum Ausdruck bringt. Das Gedicht ist in vier Strophen gegliedert, wobei jede Strophe einen eigenen Aspekt der Sehnsucht und des Verlustes beleuchtet. Die Sprache ist emotional und voller bildhafter Metaphern, die die Intensität der Gefühle des lyrischen Ichs verdeutlichen. In der ersten Strophe fragt das lyrische Ich nach dem Verbleib des geliebten Mädchens und beschreibt die Leere, die durch deren Abwesenheit entstanden ist. Die Fragen "Wo bist du itzt, mein unvergeßlich Mädchen, Wo singst du itzt?" verdeutlichen die Unsicherheit und das Verlangen nach der Anwesenheit der Geliebten. Die Orte, an denen das Mädchen sich aufhalten könnte, werden als fröhlich und lebendig beschrieben, was den Kontrast zur Traurigkeit des lyrischen Ichs verstärkt. Die zweite Strophe verdeutlicht die Auswirkungen der Abwesenheit auf die Umgebung. Die Sonne scheint nicht mehr, und der Himmel weint dem lyrischen Ich nach, was die tiefe Trauer und die Sehnsucht nach dem geliebten Mädchen symbolisiert. Die Natur wird als traurig und still beschrieben, was die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs widerspiegelt. Die Nachtigall, ein Symbol für die Liebe und das Glück, ist ebenfalls verschwunden, was die Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung des lyrischen Ichs unterstreicht. In der dritten Strophe wird die Hoffnung auf die Rückkehr der Geliebten ausgedrückt. Das lyrische Ich ruft die Geliebte zurück und betont die Dringlichkeit dieser Rückkehr. Die Angst, dass ohne die Geliebte der Winter im Mai einkehren könnte, verdeutlicht die tiefe Abhängigkeit des lyrischen Ichs von der Anwesenheit der Geliebten. Die Natur und die Jahreszeiten werden als Spiegelbild der inneren Gefühlswelt des lyrischen Ichs dargestellt, was die Intensität der Sehnsucht und die tiefe Verbundenheit mit der Geliebten unterstreicht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Wo bist du itzt, mein unvergeßlich Mädchen, Wo singst du itzt? Wo lacht die Flur, wo triumphiert das Städtchen, Das dich besitzt?
Apostrophe
O komm zurück! Schon rufen Hirt und Herden Dich bang herbei. Komm bald zurück!
Bildsprache
sonst wird es Winter werden Im Monat Mai
Hyperbel
All unsre Lust ist fort mit dir gezogen
Metapher
Und es vereint Der Himmel sich, dir zärtlich nachzuweinen
Personifikation
Seit du entfernt, will keine Sonne scheinen
Symbolik
Still überall Ist Wald und Feld. Dir nach ist sie geflogen Die Nachtigall