Wisst es!

Ada Christen

1901

Wißt, mich betrübt die Schönheit, die ihr preist, Ich schaue bitteres Menschenelend sprießen Auf diesem Stern… wie soll mein Geist Dann seine hehre Schönheit rein genießen?

Wißt, mich betrübt die Schönheit, die ihr preist, Denn durch des Wohllauts kunstgeformter Schöne Klingt mir der Wehlaut, der mein Herz zerreißt, Der Daseinsqual naturgewalt’ge Töne.

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Interpretation

Das Gedicht "Wisst es!" von Ada Christen thematisiert die Unvereinbarkeit von Schönheit und Leid in der Welt. Die Sprecherin drückt aus, dass ihr die von anderen gepriesene Schönheit Kummer bereitet, da sie das bittere Elend der Menschen auf der Erde wahrnimmt. Diese Kontrastierung von ästhetischer Schönheit und menschlichem Leid wirft die Frage auf, wie der Geist inmitten solcher Disharmonie reine Schönheit genießen kann. Die wiederholte Betonung, dass die Schönheit die Sprecherin betrübt, unterstreicht die tiefe emotionale Zerrissenheit. Die "kunstgeformte Schöne" des Wohllauts wird durch den "Wehlaut" gestört, der das Herz der Sprecherin zerreißt. Dieser Wehlaut symbolisiert die natürlichen, gewaltsamen Töne des Daseins, die die künstliche Schönheit durchdringen und verzerren. Die Sprecherin fühlt sich von der Diskrepanz zwischen äußerer Schönheit und innerem Leid überwältigt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine pessimistische Sicht auf die Welt, in der Schönheit und Leid untrennbar miteinander verbunden sind. Die Unfähigkeit, Schönheit rein zu genießen, spiegelt die tiefe Empathie der Sprecherin für das menschliche Elend wider. Ada Christen nutzt diese Gegenüberstellung, um die Komplexität menschlicher Emotionen und die Schwierigkeit, in einer von Leid geprägten Welt Schönheit zu finden, zu verdeutlichen.

Schlüsselwörter

schönheit wißt betrübt preist schaue bitteres menschenelend sprießen

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Stilmittel

Anapher
Wißt, mich betrübt die Schönheit, die ihr preist,
Kontrast
Ich schaue bittere Menschenelend sprießen / Auf diesem Stern... wie soll mein Geist / Dann seine hehre Schönheit rein genießen?
Metapher
Der Daseinsqual naturgewalt'ge Töne
Personifikation
Des Wohllauts kunstgeformter Schöne