Wir werden uns nicht wiedersehn
1768Wir werden uns wohl niemahls wiedersehn; Denn ungleich sind die Launen und die Stunden, Und deine Gegenwart ist mit Gefahr verbunden. Drum werd’ ich weisslich dir stets aus dem Wege gehen. Scheint diese Furchtsamkeit dir etwan übertrieben: O! so bedenke nur: Wer könnte Kaltsinn übern, Wo Schönheit und Natur Uns nöthigen zu lieben? Nun denn! die kleinste Lust, dich flüchtig nur zu sehn, Versag’ ich mir; die Welt könnt’s zum Verbrechen machen. Wenn auch Verleumdung schweigt, kann nicht der Neid erwachen? Ja, ich bin viel zu jung, und du bist viel zu schön. - Wir werden uns nicht wiedersehn.
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Interpretation
Das Gedicht "Wir werden uns nicht wiedersehn" von Gabriele von Baumberg ist eine lyrische Auseinandersetzung mit der Unmöglichkeit einer Begegnung zwischen dem lyrischen Ich und einer anderen Person. Die Gründe für diese Trennung sind vielfältig: Unterschiedliche Stimmungen und Lebensphasen ("ungleich sind die Launen und die Stunden"), die Gefahr, die von der Gegenwart des Anderen ausgeht, und die Angst vor den Konsequenzen einer möglichen Begegnung. Das lyrische Ich entscheidet sich bewusst dafür, dem anderen aus dem Weg zu gehen, um möglichen Schaden abzuwenden. Das Gedicht thematisiert auch den Konflikt zwischen Vernunft und Leidenschaft. Die Frage, ob die Vorsicht übertrieben sei, wird bejaht, wenn man bedenkt, wie schwer es ist, Kälte zu bewahren, wo Schönheit und Natur uns zum Lieben zwingen. Doch das lyrische Ich entscheidet sich für die Vernunft und verzichtet sogar auf die kleinste Freude, den anderen flüchtig zu sehen. Es fürchtet die Verurteilung durch die Welt und den Neid anderer, die eine Begegnung als Verbrechen ansehen könnten. Das Gedicht endet mit einer Selbstreflexion, in der das lyrische Ich seine Jugend und die Schönheit des anderen als weitere Gründe für die Unmöglichkeit einer Begegnung anführt. Die Wiederholung der ersten Zeile am Ende des Gedichts unterstreicht die Endgültigkeit dieser Entscheidung und den unausweichlichen Abschied.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Scheint diese Furchtsamkeit dir etwan übertrieben
- Anapher
- Wir werden uns wohl niemahls wiedersehn
- Enjambement
- Wo Schönheit und Natur Uns nöthigen zu lieben
- Hyperbel
- Die kleinste Lust, dich flüchtig nur zu sehn
- Kontrast
- nun denn! die kleinste Lust, dich flüchtig nur zu sehn, Versag' ich mir
- Metapher
- deine Gegenwart ist mit Gefahr verbunden
- Personifikation
- kann nicht der Neid erwachen
- Rhetorische Frage
- O! so bedenke nur: Wer könnte Kaltsinn übern