Wir Verdrießlichen
1928Hielten immer wir im Sinne, Was uns Gutes war beschieden, Mit dem reichlichen Gewinne Wären dauernd wir zufrieden!
Doch das Gute wird vergessen, Und das Schlimme wird behalten: Und was jung sie einst besessen, Ärgert obendrein die Alten.
Was wohl könnte noch uns munden, Gäb′ es keine Bitterkeiten? Still im Bunde sind die Stunden, Die uns Lust und Gram bereiten;
Eine Heilkraft ist der Kummer, Daß wir dann so froher lachen: Und der Tod vielleicht ein Schlummer Vor dem frischesten Erwachen.
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Interpretation
Das Gedicht "Wir Verdrießlichen" von Hanns von Gumppenberg handelt von der menschlichen Neigung, das Gute im Leben zu vergessen und sich stattdessen auf das Schlechte zu konzentrieren. Der Sprecher bedauert, dass die Menschen oft unzufrieden sind, obwohl ihnen Gutes widerfahren ist, und dass sie sich über das ärgern, was sie einst besaßen. Das Gedicht reflektiert über die Rolle von Bitterkeiten und Kummer im Leben. Der Sprecher stellt die Frage, ob das Leben ohne diese negativen Erfahrungen überhaupt noch lebenswert wäre. Er deutet an, dass die "bitteren Stunden" eine Art heilende Kraft haben, da sie uns lehren, nach dem Leid wieder froher zu lachen. Das Gedicht endet mit einer tröstlichen Metapher über den Tod. Der Sprecher vergleicht den Tod mit einem "Schlummer", der einem vor dem "frischesten Erwachen" vorausgeht. Dies deutet darauf hin, dass der Tod nicht als endgültiges Ende, sondern als Übergang zu einem neuen, erfüllteren Leben gesehen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegenüberstellung
- Und das Gute wird vergessen, / Und das Schlimme wird behalten
- Metapher
- Und der Tod vielleicht ein Schlummer / Vor dem frischesten Erwachen
- Parallelismus
- Daß wir dann so froher lachen
- Personifikation
- Still im Bunde sind die Stunden
- Rhetorische Frage
- Was wohl könnte noch uns munden, / Gäb′ es keine Bitterkeiten?