Wir singen dir, Immanuel
1676Wir singen dir, Immanuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du Himmelsblum und Morgenstern, du Jungfrausohn, Herr aller Herrn.
Wir singen dir in deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, daß du, o lang gewünschter Gast, dich nunmehr eingestellet hast.
Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht, dich hat gehofft so lange Jahr der Väter und Propheten Schar.
“Ach, daß der Herr aus Zion käm und unsre Bande von uns nähm! Ach, daß die Hülfe bräch herein, so würde Jakob fröhlich sein!”
Nun, du bist hier, da liegest du, hältst in dem Kripplein deine Ruh, bist klein und machst doch alles groß, bekleidst die Welt und kommst doch bloß.
Du kehrst in fremder Hausung ein, und sind doch alle Himmel dein; du liegst an deiner Mutter Brust und bist doch selbst der Engel Lust.
Du bist der größte Menschenfreund, doch sind dir so viel Menschen feind; Herodes achtet dich für Greul und bist doch nichts als lauter Heil.
Ich aber, dein geringster Knecht, ich sag es frei und mein es recht: ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich dich gerne lieben will.
Der Will ist da, die Kraft ist klein, doch wird dir nicht zuwider sein mein armes Herz, und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an.
Und bin ich gleich der Sünde voll, hab ich gelebt nicht, wie ich soll: ei, kommst du doch deswegen her, daß sich der Sünder zu dir kehr.
So faß ich dich nun ohne Scheu, du machst mich alles Jammers frei, du trägst den Zorn, du würgst den Tod, verkehrst in Freud all Angst und Not.
Du bist mein Haupt, hinwiederum bin ich dein Glied und Eigentum und will, so viel dein Geist mir gibt, stets dienen dir, wie dirs beliebt.
Ich will dein Halleluja hier mit Freuden singen für und für und dort in deinem Ehrensaal solls schallen ohne Zeit und Zahl.
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Interpretation
Das Gedicht "Wir singen dir, Immanuel" von Paul Gerhardt ist ein Lobgesang auf Jesus Christus, der als Immanuel, der "Gott mit uns", bezeichnet wird. Der Dichter preist Christus als Quelle des Lebens und der Gnade, als Morgenstern und Sohn der Jungfrau. Die Christen werden aufgefordert, mit aller Kraft Lob, Preis und Ehre zu singen, da der lang ersehnte Gast nun gekommen ist. Das Gedicht erinnert daran, dass seit Anbeginn der Welt viele Herzen nach Christus verlangt haben und dass die Väter und Propheten lange auf ihn gewartet haben. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Menschwerdung Christi. Obwohl er klein und arm ist, macht er doch alles groß und bekleidet die Welt. Er wohnt in einer fremden Behausung, obwohl ihm alle Himmel gehören. Er liegt an seiner Mutter Brust und ist doch selbst die Lust der Engel. Trotz seiner großen Liebe zu den Menschen sind ihm viele Menschen feind. Herodes betrachtet ihn als Greuel, obwohl er lauter Heil ist. Im letzten Teil des Gedichts bekennt der Dichter seine eigene Liebe zu Christus, obwohl sie noch nicht so groß ist, wie er sie gerne hätte. Er bittet Christus, sein armes Herz in Gnaden anzunehmen. Obwohl er voller Sünde ist und nicht so gelebt hat, wie er sollte, kommt Christus gerade deswegen, damit sich der Sünder zu ihm kehre. Der Dichter fasst Christus ohne Scheu und preist ihn dafür, dass er ihn von allem Jammer befreit und Angst und Not in Freude verkehrt. Er bekennt, dass Christus sein Haupt und er selbst ein Glied Christi ist. Er will hier auf Erden und später im Himmel Christi Halleluja singen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Herodes achtet dich für Greul
- Anapher
- Wir singen dir, Immanuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du Himmelsblum und Morgenstern, du Jungfrausohn, Herr aller Herrn.
- Bildsprache
- Du liegst an deiner Mutter Brust und bist doch selbst der Engel Lust
- Chiasmus
- Du bist mein Haupt, hinwiederum bin ich dein Glied und Eigentum
- Hyperbel
- daß du, o lang gewünschter Gast, dich nunmehr eingestellet hast
- Kontrast
- Du bist der größte Menschenfreund, doch sind dir so viel Menschen feind
- Metapher
- du Himmelsblum und Morgenstern
- Parallelismus
- Du machst mich alles Jammers frei, du trägst den Zorn, du würgst den Tod
- Personifikation
- daß sich der Sünder zu dir kehr