Wir lagen lang an Küsten
1918Wir lagen lang an Küsten Und sind nun aufgewacht. Ach, wenn die andern wüßten Um unsere Mitternacht. Das Wasser in dem Tale, Der Berg in dunkler Ruh, Die Luft ist leis und fahle Und schillert immerzu.
Wir sind im nächtigen Walde Ein flatternder Verein. Die schwesterliche Halde Pflegt ihre Brüderlein. Von Spitzen über Täler Wir setzen kühn hinweg, Wir fliehn die Sterbemäler Und suchen doch Versteck.
Auf Gipfeln und auf Graten Uns wächst ein hoher Schwung. Von unseren Mannestaten Blüht die Erinnerung. Und während wir uns halten Im Wind, der uns umgibt, Verspüren wir ein Walten Und fühlen uns geliebt.
Es wurde um uns stummer, Wir werden nicht geschreckt, Da Wolke wie ein Schlummer Nun unser Sein bedeckt.
Und wenn vom Geigenspiele Ein Hauch vorüberstreift, Ist’s schon, als ob am Ziele Uns eine Hand ergreift.
Im Himmel und auf Erden Ist eine Allgewalt, Der Hirte aller Herden, Er bleibt ein starker Halt, Die Sonne, die auf allen Viel Seiten uns bescheint, Und die in ihrem Wallen So scheidet wie vereint.
Die Fische auf dem Grunde Sind ihm anheim gestellt, Der Wolken große Runde Steht an dem Himmelszelt, Die Flüsse in den Ländern, Sie nehmen ihren Lauf, Und nichts mag sich verändern, Er sähe denn darauf.
So ist in heiligem Walten Die ganze Welt vollbracht, Den Jungen und den Alten Wird immer Tag und Nacht!
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Interpretation
Das Gedicht "Wir lagen lang an Küsten" von Ernst Blass handelt von einer Gruppe von Menschen, die aus einem langen Schlaf erwachen und sich in einer nächtlichen, mystischen Landschaft wiederfinden. Sie bewegen sich durch Wälder und Berge, fühlen sich von einer höheren Macht beschützt und geliebt. Das Gedicht beschreibt ihre Reise durch die Nacht, ihre Suche nach Verstecken und ihre Erinnerungen an vergangene Taten. Es endet mit der Erkenntnis, dass eine allgegenwärtige Kraft die Welt lenkt und alle Lebewesen in einem harmonischen Gleichgewicht hält. Die erste Strophe des Gedichts beschreibt den erwachenden Zustand der Gruppe, die lange an Küsten gelegen hat. Sie sind nun aufgewacht und spüren die Kühle der Nacht. Die zweite Strophe zeigt ihre Bewegung durch den nächtlichen Wald, wo sie sich wie ein flatternder Verein fühlen. Die dritte Strophe beschreibt ihre Reise über Berge und Täler, bei der sie sich mutig und frei fühlen. Die vierte Strophe endet mit dem Gefühl, von einer höheren Macht beschützt und geliebt zu werden. Die fünfte Strophe beschreibt die Stille, die sich um die Gruppe legt, und wie sie sich nicht mehr erschrecken lassen. Die sechste Strophe endet mit dem Gefühl, dass eine Hand sie am Ziel ergreift, wenn ein Hauch von Geigenspiel vorüberstreift. Die siebte Strophe beschreibt die allgegenwärtige Kraft, die die Welt lenkt und alle Lebewesen in einem harmonischen Gleichgewicht hält. Die achte Strophe endet mit der Erkenntnis, dass diese Kraft auch die Fische im Wasser und die Wolken am Himmel lenkt. Die letzte Strophe beschreibt die Vollendung der Welt durch diese heilige Kraft, die Jung und Alt gleichermaßen beeinflusst.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schwesterliche Halde Pflegt ihre Brüderlein
- Bildsprache
- Wenn vom Geigenspiele Ein Hauch vorüberstreift
- Hyperbel
- Den Jungen und den Alten Wird immer Tag und Nacht
- Kontrast
- Und die in ihrem Wallen So scheidet wie vereint
- Metapher
- Ist's schon, als ob am Ziele Uns eine Hand ergreift
- Personifikation
- Die Flüsse in den Ländern, Sie nehmen ihren Lauf
- Symbolik
- Die Sonne, die auf allen Viel Seiten uns bescheint