Wir Gespenster

Ferdinand Hardekopf

1875

Wir haben all unsere Lüste vergessen, In Cinémas suchen wir Grauen zu fressen; Erleuchtete Tore locken uns sehr, Doch die Angst ist gering - wir brauchen viel mehr.

Als Knaben sind wir ins Theater gegangen, Nach gelben Actricen ging unser Verlangen; Nur Herr Kerr geht noch hin, gegen Wunder geimpft, Der Bürger, der Nietzsche und Strindberg beschimpft.

Für Haeckel-Vergnügungen dankten wir bestens, Da flohen wir zitternd ins Café des Westens Zu heiligen Frauen. Es gibt auch Hyänen, Die scharren nach goldenen Löwenmähnen.

Aus der Welt Dostojewskis sind wir hinterblieben: Gespenster, die Lautrec und Verzweiflung lieben. Wir haben nichts mehr, was einst wir besessen, In Cinémas suchen wir Grauen zu fressen.

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Illustration zu Wir Gespenster

Interpretation

Das Gedicht "Wir Gespenster" von Ferdinand Hardekopf beschreibt eine Gruppe von Menschen, die ihre Leidenschaften und Begierden verloren haben. Sie suchen nun in Kinos nach Schrecken, um ihre innere Leere zu füllen. Die "Gespenster" sind enttäuscht von der Realität und sehnen sich nach intensiven Erfahrungen, die ihnen jedoch nicht mehr genügen. Sie sind zu einer Art Vampir geworden, der sich von den Ängsten anderer ernährt, um sich selbst lebendig zu fühlen. Das Gedicht erwähnt auch die Vergangenheit, als die Sprecher noch Jungen waren und ins Theater gingen, um gelbe Schauspielerinnen zu bewundern. Doch selbst Herr Kerr, der gegen Wunder geimpft ist und Nietzsche und Strindberg verachtet, geht immer noch ins Theater. Die Sprecher danken für Haeckel-Vergnügungen, fliehen aber zitternd ins Café des Westens zu heiligen Frauen. Es gibt auch Hyänen, die nach goldenen Löwenmähnen scharren, was auf die Gier nach Reichtum und Macht hindeutet. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass die Sprecher aus der Welt Dostojewskis zurückgeblieben sind. Sie lieben Lautrec und Verzweiflung, haben aber nichts mehr, was sie einst besessen haben. Sie suchen weiterhin in Kinos nach Grauen, um ihre innere Leere zu füllen und sich selbst lebendig zu fühlen. Das Gedicht beschreibt eine Gruppe von Menschen, die ihre Leidenschaften verloren haben und nun nach intensiven Erfahrungen suchen, um sich selbst zu bestätigen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Gespenster, die Lautrec und Verzweiflung lieben
Anapher
Wir haben all unsere Lüste vergessen, In Cinémas suchen wir Grauen zu fressen
Enjambement
In Cinémas suchen wir Grauen zu fressen; Erleuchtete Tore locken uns sehr
Metapher
Wir Gespenste
Personifikation
Erleuchtete Tore locken uns sehr
Reimschema
ABAB CDCD EFEF GHGH
Symbolik
Grauen zu fressen
Wortwiederholung
Wir haben all unsere Lüste vergessen, In Cinémas suchen wir Grauen zu fressen