Wir fanden Glanz

Ernst Wilhelm Lotz

1917

Wir fanden Glanz, fanden ein Meer, Werkstatt und uns. Zur Nacht, eine Sichel sang vor unserm Fenster. Auf unsern Stimmen fuhren wir hinauf, Wir reisten Hand in Hand.

An deinen Haaren, helles Fest im Morgen, Irr flogen Küsse hoch Und stachen reifen Wahnsinn in mein Blut. Dann dursteten wir oft an wunden Brunnen, Die Türme wehten stählern in dem Land. Und unsre Schenkel, Hüften, Raubtierlenden Stürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen.

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Interpretation

Das Gedicht "Wir fanden Glanz" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt eine intensive, leidenschaftliche Beziehung zwischen zwei Menschen. Die erste Strophe setzt eine Szene voller Entdeckungen und gemeinsamer Erlebnisse: Sie finden Glanz, ein Meer, eine Werkstatt und sich selbst. Die Nacht bringt eine Sichel zum Singen vor ihrem Fenster, was eine romantische, fast märchenhafte Atmosphäre schafft. Sie reisen Hand in Hand, ihre Stimmen tragen sie hinauf, was eine tiefe Verbundenheit und gemeinsame Reise symbolisiert. Die zweite Strophe vertieft die Intimität und Leidenschaft der Beziehung. Die Haare der Geliebten werden als "helles Fest im Morgen" beschrieben, was auf eine strahlende, festliche Stimmung hindeutet. Küsse fliegen wie Irrlichter und durchbohren den Erzähler mit reifem Wahnsinn, was die überwältigende, berauschende Natur der Liebe verdeutlicht. Sie dürsten oft an wunden Brunnen, was auf eine unersättliche, vielleicht sogar schmerzhafte Sehnsucht hindeutet. Die stählernen Türme im Land könnten auf eine harte, unerbittliche Realität verweisen, gegen die sich ihre Leidenschaft abhebt. Die dritte Strophe kulminiert in einer sinnlichen, fast animalischen Darstellung ihrer körperlichen Vereinigung. Ihre Schenkel, Hüften und Lenden stürmen durch Zonen, grünend vor Gerüchen, was eine wilde, instinktive Sexualität evoziert. Die Verwendung von Begriffen wie "Raubtierlenden" und "Gerüchen" verleiht der Szene eine rohe, urtümliche Qualität. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Reise der Entdeckung, Leidenschaft und körperlichen Vereinigung, die von einer tiefen emotionalen und sinnlichen Verbundenheit getragen wird.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Irr flogen Küsse hoch
Metapher
Stürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen
Personifikation
Die Türme wehten stählern in dem Land