Wir Dichter

Paul Boldt

1914

Wie Einsamkeit das Ich im Auge dämmt. Du ist nicht feil, und Du beginnt zu fehlen. Geh durch die Menge, um Lächeln zu stehlen, Verbrauche deine Küsse ungehemmt -:

Ein Schrei wärmt dir den Leib! Zu sehr allein. Es gibt nur dies, unser Blut-Hoch und Ja, Unsere Kunst, das Labsal anima! Das Herz bewegt sich in das Wort herein.

Von den Stummheiten sollen wir aufbrechen! Nicht nur anjahren in der Existenz. Von Antlitzfrauen aufreizend umschwiegen

Werden wir jetzt, einmal und wenigstens, Die Herzensröte an den Lippen kriegen. Unseren Dialekt des Menschen sprechen.

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Interpretation

Das Gedicht "Wir Dichter" von Paul Boldt beschreibt die Isolation und Einsamkeit, die Dichter oft empfinden. Die ersten Zeilen verdeutlichen, wie die Einsamkeit das Ich im Auge dämmert und das Du zu fehlen beginnt. Die Dichter durchstreifen die Menge, um Lächeln zu stehlen und ihre Küsse ungehemmt zu verbrauchen, was auf eine gewisse Oberflächlichkeit und Leere in ihren Beziehungen hindeutet. In den folgenden Zeilen wird die Sehnsucht der Dichter nach Wärme und Verbindung deutlich. Der Schrei wärmt ihnen den Leib, doch sie fühlen sich zu sehr allein. Das Gedicht betont, dass es nur ihr Blut-Hoch und Ja, ihre Kunst und das Labsal anima gibt, die ihr Herz bewegen. Dies verdeutlicht die tiefe Verbundenheit der Dichter mit ihrer Kunst und die Bedeutung, die sie ihr beimisst. Im letzten Abschnitt des Gedichts fordert der Autor die Dichter auf, sich von den Stummheiten zu lösen und nicht nur in der Existenz anzufangen. Sie sollen von den Frauen umworben werden und die Herzensröte an ihren Lippen erlangen. Der Ausdruck "Unseren Dialekt des Menschen sprechen" unterstreicht die Absicht der Dichter, ihre eigene Sprache und Ausdrucksweise zu finden und zu verwenden, um ihre Gefühle und Gedanken mit anderen zu teilen.

Schlüsselwörter

einsamkeit auge dämmt feil beginnt fehlen geh menge

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Stilmittel

Metapher
Unseren Dialekt des Menschen sprechen
Personifikation
Du ist nicht feil, und Du beginnt zu fehlen.