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Winterschlaf

Von

Indem man sich nunmehr zum Winter wendet,
Hat es der Dichter schwer,
Der Sommer ist geendet,
Und eine Blume wächst nicht mehr.

Was soll man da besingen?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muß schon in die eigene Seele dringen
– Jedoch, da haperts meist.

Man sitzt besorgt auf seinen Hintern,
Man sinnt und sitzt sich seine Hose durch,
– Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern
Wie Frosch und Lurch.

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Gedicht: Winterschlaf von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Winterschlaf“ von Klabund ist eine humorvolle und selbstironische Reflexion über die Schaffenskrise eines Dichters im Winter. Es beginnt mit einem resignierten Geständnis der Schwierigkeit, im Winter zu dichten, da die „Requisiten“ der Sommerlyrik, wie blühende Blumen, fehlen. Der Dichter, erkennbar durch die Ich-Perspektive, beklagt den Mangel an Inspiration und die daraus resultierende Leere. Die ersten beiden Strophen etablieren die Stimmung der Tristesse und des kreativen Stillstands.

Die zweite Hälfte des Gedichts widmet sich der konkreten Beschreibung der Situation des Dichters. Er sitzt untätig herum, grübelt und „sitzt sich seine Hose durch“. Dies ist eine humorvolle Übertreibung, die die Langeweile und die fehlende Produktivität des Dichters verdeutlicht. Die Formulierung „Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern“ offenbart eine resignierte Akzeptanz des Zustands der kreativen Inaktivität. Der Vergleich mit „Frosch und Lurch“ verstärkt den Eindruck der Starre und des Rückzugs in eine Art Winterschlaf, ein Zustand der Ruhe und des Wartens, bis die äußeren Umstände wieder fruchtbarer werden.

Die Stärke des Gedichts liegt in seinem unprätentiösen Ton und dem Selbstverständnis des Dichters. Klabund nimmt sich selbst nicht allzu ernst, was das Gedicht für den Leser zugänglich und sympathisch macht. Die scheinbar einfache Sprache und der lockere Reim erleichtern den Zugang und betonen die Alltagsthematik der kreativen Blockade. Das Gedicht ist eine Art „Bestandsaufnahme“ des Dichters in einer Zeit der Leere, in der er sich mit der Notwendigkeit der Geduld und des Wartens auseinandersetzt.

Die zentrale Botschaft des Gedichts ist die Akzeptanz der eigenen Unproduktivität. Es ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Schwierigkeit, kreative Energie in einer Zeit der Stille und des Mangels zu finden. Klabund bietet keine Lösungen oder Auswege, sondern lediglich die Einsicht, dass es Zeiten des Wartens gibt, in denen man sich in die eigene „Seele dringen“ muss, auch wenn dies zunächst schwierig erscheint. Das Gedicht wird somit zu einer Metapher für die Zyklen des Lebens und der Kreativität, die durch Phasen der Aktivität und der Ruhe gekennzeichnet sind.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.