Winternacht
1802Vor Kälte ist die Luft erstarrt, Es kracht der Schnee von meinen Tritten, Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart; Nur fort, nur immer fortgeschritten!
Wie feierlich die Gegend schweigt! Der Mond bescheint die alten Fichten, Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt, Den Zweig zurück zur Erde richten.
Frost! friere mir ins Herz hinein, Tief in das heißbewegte, wilde! Dass einmal Ruh mag drinnen sein, Wie hier im nächtlichen Gefilde!
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Interpretation
Das Gedicht "Winternacht" von Nikolaus Lenau schildert eine winterliche Nachtlandschaft, die den inneren Zustand des lyrischen Ichs widerspiegelt. Die äußere Kälte und Stille werden mit den Gefühlen des Sprechers in Verbindung gebracht, der scheinbar nach innerer Ruhe und Erleichterung sucht. Die erste Strophe beschreibt die physischen Auswirkungen der Kälte auf den Sprecher und seine Umgebung. Die erstarrte Luft, das knirschende Schneegestöber und der dampfende Atem vermitteln ein Gefühl von Kälte und Einsamkeit. Der wiederholte Imperativ "nur fort" deutet auf eine unruhige Bewegung hin, möglicherweise als Flucht vor inneren Unruhen. In der zweiten Strophe wird die winterliche Landschaft mit den alten Fichten, die sehnsüchtig zum Tod geneigt sind, noch intensiver beschrieben. Der Mondlichtschein verleiht der Szene eine feierliche Stimmung. Die Bäume, die ihre Zweige zur Erde richten, könnten als Symbol für das Streben nach Ruhe und Erleichterung interpretiert werden. Die dritte Strophe bringt den Wunsch des lyrischen Ichs nach innerer Kälte und Ruhe zum Ausdruck. Der Frost soll ins Herz eindringen und die "heißbewegte, wilde" Seele beruhigen. Dieses Verlangen nach innerer Stille und Erleichterung wird mit der äußeren Ruhe der nächtlichen Landschaft verglichen. Das Gedicht endet mit dem Wunsch nach einer tiefen inneren Ruhe, die der Sprecher in der kalten Winternacht zu finden hofft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Frost! friere mir ins Herz hinein
- Metapher
- Dass einmal Ruh mag drinnen sein
- Onomatopoesie
- Es kracht der Schnee von meinen Tritten
- Personifikation
- Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt
- Vergleich
- Wie hier im nächtlichen Gefilde