Winternacht

Gottfried Keller

1846

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt, Still und blendend lag der weiße Schnee Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt, Keine Welle schlug im starren See.

Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf, Bis sein Wipfel in dem Eis gefror; An den Ästen klomm die Nix’ herauf, Schaute durch das grüne Eis empor.

Auf dem dünnen Glase stand ich da, Das die schwarze Tiefe von mir schied: Dicht ich unter meinen Füßen sah Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.

Mit ersticktem Jammer tastet’ sie An der harten Decke her und hin, Ich vergess’ das dunkle Antlitz nie, Immer, immer liegt es mir im Sinn!

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Illustration zu Winternacht

Interpretation

Das Gedicht "Winternacht" von Gottfried Keller beschreibt eine Winternacht, die von tiefer Stille und Kälte geprägt ist. Die Welt ist still und der Schnee liegt blendend weiß. Es gibt keine Bewegung, weder ein Flügelschlag noch eine Welle im See. Die Nacht ist so still, dass nicht einmal ein Wölkchen am Sternenzelt zu sehen ist. In der zweiten Strophe wird ein Seebaum beschrieben, der aus der Tiefe aufsteigt, bis sein Wipfel im Eis gefriert. Eine Nixe klettert an den Ästen empor und blickt durch das grüne Eis nach oben. Diese Szene verleiht der Winternacht eine mystische und märchenhafte Atmosphäre. In der dritten Strophe steht der lyrische Ich auf dem dünnen Eis, das die schwarze Tiefe von ihm trennt. Unter seinen Füßen sieht er die weiße Schönheit der Nixe Glied für Glied. Die Szene ist surreal und verstörend, da das Eis so dünn ist, dass es zu brechen droht. In der letzten Strophe versucht die Nixe mit ersticktem Jammer an der harten Decke zu tasten. Das lyrische Ich vergisst nie das dunkle Antlitz der Nixe und es liegt immer in seinem Sinn. Das Gedicht endet mit einer düsteren und bedrückenden Stimmung, die den Leser nachdenklich zurücklässt.

Schlüsselwörter

weiße tiefe eis glied flügelschlag ging welt still

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Stilmittel

Bildsprache
An den Ästen klomm die Nix' herauf
Metapher
Mit ersticktem Jammer tastet' sie An der harten Decke her und hin
Personifikation
Dicht ich unter meinen Füßen sah Ihre weiße Schönheit Glied um Glied