Wintermorgen
1834Ein trüber Wintermorgen war′s, Als wollt′ es gar nicht tagen, Und eine dumpfe Glocke ward Im Nebel angeschlagen.
Und als die dumpfe Glocke bald, Die einzige, verklungen, Da ward ein heisres Grabeslied, Ein einz′ger Vers gesungen.
Es war ein armer, alter Mann, Der lang gewankt am Stabe, Trüb, klanglos, wie sein Lebensweg, So war sein Weg zum Grabe.
Nun höret er in lichten Höhn Der Engel Chöre singen Und einen schönen, vollen Klang Durch alle Welten schwingen.
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Interpretation
Das Gedicht "Wintermorgen" von Ludwig Uhland beschreibt einen düsteren Wintermorgen, an dem es kaum Tag werden will. Eine dumpfe Glocke ertönt im Nebel, gefolgt von einem heiseren Grabeslied, das nur aus einem einzigen Vers besteht. Diese Szene setzt eine traurige und trostlose Stimmung. Der zweite Teil des Gedichts offenbart, dass es sich bei der beschriebenen Szene um die Beerdigung eines armen, alten Mannes handelt. Sein Leben war von Trübsal und Klanglosigkeit geprägt, was sich auch in seinem Weg zum Grab widerspiegelt. Die Sprache Uhlands unterstreicht die Melancholie und die Endgültigkeit des Todes. Im letzten Vers wendet sich das Gedicht jedoch. Der Verstorbene hört in den lichten Höhen die Chöre der Engel singen und einen schönen, vollen Klang, der durch alle Welten schwingt. Dieser Kontrast zwischen der düsteren irdischen Szene und der himmlischen Musik deutet auf eine Erlösung und Transzendenz hin, die den Tod überwindet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- dumpfe Glocke ward Im Nebel angeschlagen
- Bildsprache
- Nun höret er in lichten Höhn Der Engel Chöre singen
- Metapher
- Und einen schönen, vollen Klang Durch alle Welten schwingen
- Personifikation
- Als wollt' es gar nicht tagen