Winterlied

Joseph von Eichendorff

1788

Mir träumt′, ich ruhte wieder Vor meines Vaters Haus Und schaute fröhlich nieder Ins alte Tal hinaus, Die Luft mit lindem Spielen Ging durch das Frühlingslaub, Und Blütenflocken fielen Mir über Brust und Haupt.

Als ich erwacht, da schimmert Der Mond vom Waldesrand, Im falben Scheine flimmert Um mich ein fremdes Land, Und wie ich ringsher sehe: Die Flocken waren Eis, Die Gegend war vom Schnee, Mein Haar vom Alter weiß.

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Illustration zu Winterlied

Interpretation

Das Gedicht "Winterlied" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Traum, der den Sprecher in seine Kindheit zurückversetzt. Er träumt davon, vor dem Haus seines Vaters zu ruhen und in das Tal zu schauen. Die Frühlingsluft spielt munter im Laub und Blüten rieseln auf ihn herab. Doch als er erwacht, findet er sich in einer winterlichen Landschaft wieder. Der Mond scheint vom Waldrand und umgibt ihn mit einem fremdartigen Licht. Was wie Blüten im Traum aussah, sind in Wirklichkeit Eisblumen. Die Gegend ist von Schnee bedeckt und sein Haar ist weiß vor Alter. Das Gedicht thematisiert den Kontrast zwischen Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart. Die Idylle der Kindheit und Jugend wird durch den harten Winter der Gegenwart abgelöst. Der Traum ist eine Sehnsucht nach der verlorenen Zeit, die nicht mehr zurückkehren kann. Der Sprecher erwacht in eine kalte, unwirtliche Welt, die ihm fremd und unheimlich erscheint. Sein weißes Haar ist ein Zeichen für das Alter, das ihn eingeholt hat. Die Sprache des Gedichts ist einfach und volkstümlich gehalten. Sie erzeugt eine melancholische Stimmung, die den Verlust der Jugend und die Vergänglichkeit des Lebens zum Ausdruck bringt. Das Gedicht endet mit dem resignierten Fazit, dass die Vergangenheit unwiederbringlich verloren ist.

Schlüsselwörter

träumt ruhte vaters haus schaute fröhlich nieder alte

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Stilmittel

Alliteration
schnee, schimmert, scheine
Kontrast
Freudiger Traum vs. Alptraumhafte Realität
Metapher
Mein Haar vom Alter weiß
Personifikation
Die Luft mit lindem Spielen ging durch das Frühlingslaub
Symbolik
Frühling symbolisiert Jugend und Hoffnung