Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen

Christian Friedrich Daniel Schubart

1791

Mädel, ′s ist Winter, der wollichte Schnee, Weiß wie dein Busen, deckt Thäler und Höh′. Horch, wie der Nordwind um′s Häuslein her pfeift! Hecken und Bäume sind lieblich bereift.

Mädel, ′s ist Winter, die Bäche sind Eis; Dächer der ländlichen Hütten sind weiß. Grau und ehrwürdig, im silbernen Flor, Streckt sich der stattliche Kirchthurm empor.

Mädel, es ist Winter. Mach′s Stüblein fein warm; Setz dich zum Ofen, und nimm mich in Arm! Lieblich und kosend, wie rosigten Mai, Führt uns die Liebe den Winter vorbei.

Drehst du mit Fingern, so reinlich wie Wachs, Seidene Fäden vom silbernen Flachs, Schüttle ich die Acheln dir schäkernd vom Schurz, Mache die Nächte mit Mährlein dir kurz.

Mädel, ′s ist Winter. O wärst du schon mein! Schlüpft′ ich ins blähende Bettlein hinein; Nähm′ dich, mein herziges Liebchen! in Arm, Trotzte dem Winter - denn Liebe macht warm. -

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen

Interpretation

Das Gedicht "Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen" von Christian Friedrich Daniel Schubart beschreibt die winterliche Landschaft und die Sehnsucht eines jungen Bauern nach seiner Geliebten. Der Bauer malt ein idyllisches Bild des Winters, bei dem der Schnee die Täler und Höhen bedeckt und der Nordwind um das Häuschen pfeift. Er erwähnt die gefrorenen Bäche und die weißen Dächer der ländlichen Hütten, während der Kirchthurm ehrwürdig in silbernem Flor emporragt. In der zweiten Strophe drückt der Bauer seine Sehnsucht nach seiner Geliebten aus. Er bittet sie, das Stüblein warm zu machen und sich zum Ofen zu setzen, um ihn in ihre Arme zu nehmen. Die Liebe soll sie durch den Winter begleiten und die kalte Jahreszeit vergessen lassen. Der Bauer beschreibt, wie er ihr beim Drehen der seidigen Fäden vom silbernen Flachs hilft und ihr mit Anekdoten die Nächte verkürzt. In der dritten Strophe drückt der Bauer seine tiefe Sehnsucht aus, seine Geliebte endlich zu besitzen. Er wünscht sich, in ihr warmes Bett zu schlüpfen und sie in seine Arme zu nehmen. Die Liebe soll stark genug sein, um dem Winter zu trotzen und Wärme zu spenden. Das Gedicht endet mit der Hoffnung des Bauern, dass die Liebe ihn und seine Geliebte durch den Winter tragen wird.

Schlüsselwörter

winter mädel weiß lieblich silbernen warm arm liebe

Wortwolke

Wortwolke zu Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen

Stilmittel

Alliteration
Mädel, ′s ist Winter, der wollichte Schnee
Beschreibung
Mädel, ′s ist Winter. O wärst du schon mein! Schlüpft′ ich ins blähende Bettlein hinein
Bildsprache
Grau und ehrwürdig, im silbernen Flor, Streckt sich der stattliche Kirchthurm empor
Hyperbel
Trotzte dem Winter - denn Liebe macht warm
Kontrast
Lieblich und kosend, wie rosigten Mai, Führt uns die Liebe den Winter vorbei
Metapher
Dächer der ländlichen Hütten sind weiß
Personifikation
Horch, wie der Nordwind um's Häuslein her pfeift!
Reimschema
AABB
Symbolik
Liebe macht warm
Vergleich
Weiß wie dein Busen