Winterlied
1824Warum so düster, Erdenraum? Warum so kalt, so fremd? Es deckt dich Schnee, du regst dich kaum In deinem Totenhemd.
Mir glühts im Herzen immer licht — Ob Sturm, ob Sonnenschein, Wenn manchmal auch ein Bäumchen bricht, Bald ist der Himmel rein! —
Doch sieh, da schmilzt das starre Eis, Und rings zerfließt der Schnee, Und auf den Fluren, erst noch weiß, Ich frisches Grün erseh.
Da rief ich laut in meinem Traum Vom Lenz zur Winterszeit: O Sonnengold, o Purpursaum — Wie seid ihr noch so weit!
Wo bist du noch, o Lüftchen lau, Vom Frühlingshauch bewegt, Doch — dem ist stets der Himmel blau, Der ihn im Herzen trägt.
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Interpretation
Das Gedicht "Winterlied" von Hermann Rollett thematisiert den Kontrast zwischen der äußeren winterlichen Kälte und der inneren Wärme des lyrischen Ichs. Die erste Strophe beschreibt die Erde als düster und fremd, von Schnee bedeckt und reglos in ihrem "Totenhemd", was den Winter als eine Art Tod oder Starre symbolisiert. Das lyrische Ich jedoch empfindet im Herzen stets ein leuchtendes Licht, unabhängig von äußeren Bedingungen wie Sturm oder Sonnenschein. Dies deutet auf eine innere Stärke und Hoffnung hin, die auch in dunklen Zeiten bestehen bleibt. In der zweiten Strophe wird der Übergang vom Winter zum Frühling angedeutet. Das starre Eis schmilzt, der Schnee zerfließt, und auf den Feldern erscheint frisches Grün. Das lyrische Ich träumt bereits vom Lenz und sehnt sich nach der Wärme und dem Licht des Frühlings, das jedoch noch weit entfernt scheint. Die Bilder von "Sonnengold" und "Purpursaum" stehen für die Schönheit und Fülle des Frühlings, die im Winter noch nicht greifbar sind. Die letzte Strophe richtet sich an das lauwarme Lüftchen, das vom Frühlingshauch bewegt wird. Das lyrische Ich fragt, wo dieses Lüftchen noch zu finden sei, doch die Antwort lautet, dass es dem immer blau ist, der es im Herzen trägt. Dies impliziert, dass die Frühlingsgefühle und die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht von äußeren Umständen abhängen, sondern von der inneren Einstellung und dem Herzen des Menschen. Das Gedicht endet mit der Botschaft, dass man die Frühlingsgefühle auch im Winter in sich tragen kann, solange man an sie glaubt und sie in seinem Herzen bewahrt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrufung
- O Sonnengold, o Purpursaum
- Hyperbel
- Wenn manchmal auch ein Bäumchen bricht, Bald ist der Himmel rein!
- Kontrast
- Mir glühts im Herzen immer licht — Ob Sturm, ob Sonnenschein
- Personifikation
- Warum so düster, Erdenraum?
- Symbolik
- Doch — dem ist stets der Himmel blau, Der ihn im Herzen trägt