Winterbild
1919In meinem Zimmer ein paar frische Blumen, Die allen Wintermissmut mir vertreiben. Ein Vöglein pickt vor meinem Fenster Krumen Und guckt dabei zutraulich durch die Scheiben.
In Stroh und Bast die Bäume eingeschlagen, Damit der strenge Frost sie nicht berühre, Die Beete wohl verwahrt vor kalten Tagen - Und, blossen Haupts, ein Bettler vor der Türe.
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Interpretation
Das Gedicht "Winterbild" von Hedwig Lachmann zeigt einen Kontrast zwischen der behüteten und der ungeschützten Welt im Winter. Im ersten Teil des Gedichts wird ein behagliches Zimmer beschrieben, in dem frische Blumen den Wintermissmut vertreiben. Ein Vöglein pickt vor dem Fenster nach Krümeln und blickt zutraulich durch die Scheiben. Dies schafft eine Atmosphäre von Geborgenheit und Harmonie mit der Natur. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Fürsorge für die Pflanzen im Winter thematisiert. Die Bäume sind in Stroh und Bast eingeschlagen, um sie vor dem strengen Frost zu schützen. Die Beete sind gut verwahrt vor den kalten Tagen. Diese Beschreibungen verdeutlichen den menschlichen Schutz und die Fürsorge für die Natur. Der letzte Vers des Gedichts führt jedoch einen starken Kontrast ein. Ein Bettler steht vor der Tür, bloßen Hauptes. Dies verdeutlicht die Kluft zwischen der behüteten Welt im Zimmer und der ungeschützten Welt draußen. Der Bettler symbolisiert diejenigen, die im Winter keinen Schutz und keine Fürsorge erfahren. Das Gedicht regt zum Nachdenken über soziale Ungleichheit und die Verantwortung gegenüber den Schwächeren an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Und, blossen Haupts, ein Bettler vor der Türe
- Metapher
- In Stroh und Bast die Bäume eingeschlagen
- Personifikation
- Die allen Wintermissmut mir vertreiben