Winterabend
1913In gelben Fenstern trinken Schatten heißen Tee. Sehnsüchtge wiegen sich auf hartem Schimmerteiche. Arbeiter finden eine sanfte Damenleiche. Johlende Dunkle werfen glimmend blauen Schnee.
An hohen Stangen hängt, verfleht, ein Streichholzmann. Kaufläden flackern trüb durch frostbeschlagne Scheiben, Vor denen Menschenleiber wie Gespenster treiben. Studenten schneiden ein erfrornes Mädchen an.
Wie lieblich der kristallne Winterabend brennt! Schon strömt ein Platinmond durch eine Häuserlücke. Bei grünlichen Laternen unter einer Brücke Liegt ein Zigeunerweib. Und spielt ein Instrument.
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Interpretation
Das Gedicht "Winterabend" von Alfred Lichtenstein schildert eine düstere, melancholische Atmosphäre eines Winterabends in der Stadt. Die Bilder, die der Dichter zeichnet, sind von Kälte, Einsamkeit und dem Gefühl des Unbehagens geprägt. Die "gelben Fenster" und der "harte Schimmerteich" vermitteln eine künstliche, unnatürliche Stimmung, die den Betrachter in eine fremde, fast unwirkliche Welt eintauchen lässt. Die Begegnungen und Beobachtungen, die der Betrachter macht, sind von einer seltsamen, fast surrealen Qualität. Die "sanfte Damenleiche" und der "erfrornen Mädchen" vermitteln ein Gefühl von Tod und Verfall, das die Kälte des Winters noch verstärkt. Die "Zigeunerweib" am Ende des Gedichts fügt eine exotische, geheimnisvolle Note hinzu, die die Stimmung noch verstärkt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre der Einsamkeit, des Unbehagens und der Fremdheit. Die Bilder, die der Dichter verwendet, sind von einer seltsamen, fast surrealen Qualität, die den Betrachter in eine fremde, unwirkliche Welt eintauchen lässt. Die Kälte des Winters und das Gefühl des Todes und Verfalls, das durch die Begegnungen und Beobachtungen vermittelt wird, verstärken diese Stimmung noch.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Liegt ein Zigeunerweib. Und spielt ein Instrument
- Personifikation
- Sehnsüchtge wiegen sich auf hartem Schimmerteiche