Winter und Frühling

Friedrich Rückert

1872

Ich danke Gott, daß diese Plage Gefallen in die kurzen Tage, Die schneller gehn mit nächt’gem Tritt, Und nehmen doch die Plage mit.

Mir blieb in diesen kurzen Tagen Nur Zeit zu tragen, nicht zu klagen, Und kaum hielt die Besinnung Schritt, Wie es im Wirbel weiter glitt.

Einst schön in sommerlangen Tagen Weich unter Blumen will ich klagen, Ich tröste mich schon jetzt damit, Was ich in diesen Tagen litt.

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Illustration zu Winter und Frühling

Interpretation

Das Gedicht "Winter und Frühling" von Friedrich Rückert beschreibt den Kontrast zwischen der Härte des Winters und der Hoffnung auf den kommenden Frühling. Der Sprecher dankt Gott für die kurzen Tage des Winters, da sie die Plage schnell vorüberziehen lassen. Obwohl er in dieser Zeit kaum Zeit zum Klagen hatte, trägt er die Last der dunklen Jahreszeit. Doch er findet Trost in der Vorstellung, dass er im Sommer, wenn die Tage lang und warm sind, unter Blumen weinen und klagen kann. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft der Hoffnung und des Durchhaltens in schwierigen Zeiten, da der Frühling und damit bessere Tage unweigerlich kommen werden. Das Gedicht ist in drei Strophen gegliedert, wobei die erste und dritte Strophe aus vier Versen bestehen, während die zweite Strophe fünf Verse hat. Die Reime sind durchgehend, wobei sich in der ersten Strophe die Verse 1 und 3 sowie 2 und 4 reimen. In der zweiten Strophe reimen sich die Verse 1 und 3 sowie 2 und 5, während der vierte Vers keinen Reimpartner hat. Die dritte Strophe folgt dem Reimschema der ersten Strophe. Die regelmäßige Struktur und der gleichmäßige Rhythmus verleihen dem Gedicht eine beruhigende und hoffnungsvolle Atmosphäre. Rückert verwendet in seinem Gedicht verschiedene sprachliche Mittel, um die Stimmung und die Gefühle des Sprechers auszudrücken. So wird der Winter als "Plage" bezeichnet, was die negative Konnotation der Jahreszeit unterstreicht. Die kurzen Tage werden als "nächt'gem Tritt" beschrieben, was die Dunkelheit und Kälte der Jahreszeit betont. Im Gegensatz dazu stehen die "sommerlangen Tage" und die "weichen Blumen", die für Wärme, Licht und Schönheit stehen. Durch diese Gegenüberstellung von Winter und Sommer, Dunkelheit und Licht, Kälte und Wärme verdeutlicht Rückert den Kontrast zwischen den beiden Jahreszeiten und die Hoffnung auf den Frühling.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Weich unter Blumen
Hyperbel
Im Wirbel weiter glitt
Kontrast
Tragen, nicht zu klagen
Metapher
Plage
Personifikation
nächt'gem Tritt
Zeitsprung
Einst schön in sommerlangen Tagen