Winter

Theodor Däubler

1876

Geduldig ist der Wald, Behutsamer der Schnee, Am einsamsten das Reh. Ich rufe. Was erschallt? Der Widerhall macht Schritte. Er kehrt zurück zu seinem Weh: Das kommt heran wie leise Tritte. Er findet mich in meiner Mitte. Warum hab ich den Wald gestört? Vom Schnee ward nichts gehört. Hat sich das Reh gescheut? Wie mich das Rufen reut.

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Illustration zu Winter

Interpretation

Das Gedicht "Winter" von Theodor Däubler beschreibt die Stille und Einsamkeit einer winterlichen Landschaft. Der Wald wird als geduldig dargestellt, der Schnee als behutsam, und das Reh als das einsamste Wesen. Der Sprecher ruft in diese Stille, doch was zurückhallt, sind nur die Schritte des eigenen Widerhalls, der sein Leid zurückbringt. Die Einsamkeit wird durch die leisen Schritte des Widerhalls verstärkt, der den Sprecher in seiner Mitte findet. Die Frage, warum der Wald gestört wurde, deutet auf ein Bedauern des Sprechers hin. Der Schnee hat nichts gehört, was die absolute Stille und Isolation unterstreicht. Die Unsicherheit, ob sich das Reh erschreckt hat, verstärkt das Gefühl der Störung und des Bedauerns. Das Rufen des Sprechers wird als bedauerlich empfunden, was auf eine innere Zerrissenheit und das Bewusstsein für die Störung der natürlichen Ordnung hindeutet. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Melancholie und die Unmöglichkeit, die Einsamkeit der winterlichen Natur zu durchbrechen. Die Wiederholung des eigenen Leids durch den Widerhall symbolisiert die Unentrinnbarkeit der eigenen Gefühle und die Nutzlosigkeit des Rufens in die Leere. Die winterliche Stimmung wird durch die Bilder von Schnee, Wald und Reh verstärkt, die eine Atmosphäre der Stille und Isolation schaffen.

Schlüsselwörter

wald schnee reh geduldig behutsamer einsamsten rufe erschallt

Wortwolke

Wortwolke zu Winter

Stilmittel

Anapher
Ich rufe. Was erschallt?
Kontrast
Geduldig ist der Wald, Behutsamer der Schnee, Am einsamsten das Reh
Metapher
Er kehrt zurück zu seinem Weh
Personifikation
Der Wald ist geduldig