Winkel am Wald

Georg Trakl

1913

Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter. Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter, Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.

Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern; Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster. Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster. Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.

In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare. Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne. Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne; Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.

Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle. Bescheiden ist ihre Stätte wohl bereitet. Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet; Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.

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Illustration zu Winkel am Wald

Interpretation

Das Gedicht "Winkel am Wald" von Georg Trakl beschreibt eine melancholische und zugleich mystische Atmosphäre, die den Übergang vom Leben zum Tod und die Verbundenheit mit der Natur und der Vergangenheit thematisiert. Die ersten Strophen vermitteln eine ruhige, fast traurige Stimmung, in der alte Menschen und die Natur in einem sanften Übergang zum Abend oder zum Ende des Lebens dargestellt werden. Die Amsel, die mit dem "toten Vetter" scherzt, und der Lehrer, der "Engel" gibt, symbolisieren die Verbindung zwischen Leben und Tod. Die zweite Strophe vertieft die düstere Stimmung, indem sie Bilder des Todes und der Trauer einführt. Die "reinen Bilder" des Todes, die von den Kirchenfenstern schauen, stehen im Kontrast zum "blutigen Grund", der eine tiefe Trauer und Dunkelheit ausstrahlt. Das verschlossene Tor und der Küster, der den Schlüssel hat, deuten auf eine Barriere zwischen den Lebenden und den Toten hin. Die Schwester, die mit Gespenstern spricht, verstärkt die geisterhafte und mystische Atmosphäre des Gedichts. Die dritte Strophe bringt eine gewisse Hoffnung und Schönheit in die Szenerie. Der reifende Wein und die duftenden Äpfel symbolisieren die Fülle und den Reichtum des Lebens, auch wenn die Freude nicht allzu fern ist. Die Kinder, die Märchen hören, und der sanfte Wahnsinn, der das "Goldene, Wahre" zeigt, deuten auf eine kindliche Unschuld und eine tiefe Wahrheit hin, die in der Natur und in den Geschichten verborgen liegt. Die letzte Strophe beschreibt eine friedliche und bescheidene Stimmung, in der die Nacht als "Ruhe Engel" erscheint und den Übergang in die Ruhe und den Schlaf symbolisiert.

Schlüsselwörter

alten abend goldne braune kastanien leise gleiten leute

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Stilmittel

Alliteration
Kellern reift der Wein
Bildsprache
Süß duften Äpfel
Kontrast
Freude glänzt nicht allzu ferne
Metapher
Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern
Personifikation
Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle
Symbolik
Das Tor blieb heut verschlossen