Willst Welt und Menschen recht verstehn

Friedrich von Bodenstedt

1924

Willst Welt und Menschen recht verstehn, Mußt du ins eigne Herz dir sehn. Willst du dich selbst recht kennenlernen, Mußt du dich aus dir selbst entfernen.

Wer sich beurteilt nur nach sich, Gelangt zu falschen Schlüssen - Du selbst erkennst so wenig dich, Als du dich selbst kannst küssen.

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Interpretation

Das Gedicht "Willst Welt und Menschen recht verstehn" von Friedrich von Bodenstedt behandelt die Themen der Selbstreflexion und der menschlichen Wahrnehmung. Es legt nahe, dass das Verstehen der Welt und anderer Menschen eine innere Reise erfordert, bei der man in sein eigenes Herz blickt. Gleichzeitig betont es die Notwendigkeit, sich selbst zu distanzieren, um sich selbst besser kennenzulernen. Das Gedicht hebt die Komplexität der Selbstwahrnehmung hervor und weist darauf hin, dass die Beurteilung nach sich selbst zu Fehlurteilen führen kann. Die ersten beiden Verse fordern den Leser auf, in sein eigenes Herz zu schauen, um die Welt und die Menschen zu verstehen. Dies impliziert, dass die äußere Welt ein Spiegelbild des inneren Selbst ist. Die folgenden Zeilen betonen die Notwendigkeit, sich selbst zu entfernen, um sich selbst besser kennenzulernen. Dies deutet darauf hin, dass eine objektive Sichtweise auf sich selbst oft schwierig ist und dass eine gewisse Distanz erforderlich ist, um sich selbst klar zu sehen. Im letzten Vers wird die Schwierigkeit der Selbstkenntnis mit dem Bild des Küssens verglichen. Es wird darauf hingewiesen, dass man sich selbst nicht so gut kennt, wie man denkt, da es unmöglich ist, sich selbst zu küssen. Dies unterstreicht die Idee, dass die Selbstwahrnehmung oft fehlerhaft ist und dass man sich selbst nicht vollständig verstehen kann. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Komplexität der menschlichen Natur und die Herausforderungen der Selbstreflexion nachzudenken.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Antithese
Willst du dich selbst recht kennenlernen, / Mußt du dich aus dir selbst entfernen.
Metapher
Mußt du ins eigne Herz dir sehn
Parallelismus
Willst Welt und Menschen recht verstehn, / Mußt du ins eigne Herz dir sehn. / Willst du dich selbst recht kennenlernen, / Mußt du dich aus dir selbst entfernen.
Rhetorische Frage
Du selbst erkennst so wenig dich, / Als du dich selbst kannst küssen.