„Willst du uns, Freund, zu Kindern machen?
Du sagst uns weltbekannte Sachen!“
Verzeiht! ich konnt aus euren Werken,
Daß ihr alles wißt, nicht merken!
Willst du uns, Freund, zu Kindern machen…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Willst du uns, Freund, zu Kindern machen…“ von Ernst von Feuchtersleben ist eine kurze, ironische Auseinandersetzung mit der vermeintlichen Überlegenheit und dem Wissen, das in der Gesprächsführung oder in den Werken des Gesprächspartners zum Ausdruck kommt. Es besteht aus zwei Doppelversen, die in ihrer Kürze und Direktheit eine klare Botschaft vermitteln: die Kritik an einem überheblichen Anspruch.
Der erste Vers, „Willst du uns, Freund, zu Kindern machen?“, leitet die Kritik ein. Die rhetorische Frage deutet an, dass der angesprochene „Freund“ versucht, die Zuhörer in eine Position der Unterlegenheit zu bringen, indem er ihnen scheinbar einfache, aber in Wahrheit bereits bekannte Dinge vorträgt. Die Anrede „Freund“ wirkt hier sarkastisch, da sie im Widerspruch zum eigentlichen Inhalt steht, der eine Distanzierung und Kritik impliziert. Der zweite Vers „Du sagst uns weltbekannte Sachen!“ verstärkt diese Kritik, indem er die Redundanz und den Mangel an Neuem hervorhebt. Die Verwendung des Adjektivs „weltbekannt“ unterstreicht die Banalität des Gesagten.
Der dritte und vierte Vers bilden den Kern der Auseinandersetzung. „Verzeiht! ich konnt aus euren Werken, / Daß ihr alles wißt, nicht merken!“ Hier wird die eigentliche Kritik ausgesprochen. Der Sprecher entschuldigt sich scheinbar dafür, nicht erkannt zu haben, dass der „Freund“ allwissend ist. Diese Entschuldigung ist jedoch ironisch, da sie das Gegenteil ausdrückt: Der Sprecher hat aus den Werken und der Art des Gesprächs des Freundes keine Anzeichen von wirklichem Wissen oder Originalität erkennen können. Die Verwendung des Wortes „merken“ spielt auf die Fähigkeit an, etwas zu verstehen und zu erfassen, was dem Sprecher offensichtlich verwehrt geblieben ist.
Insgesamt ist das Gedicht eine subtile, aber wirkungsvolle Kritik an Überheblichkeit und der Darstellung von vermeintlichem Wissen. Es zeigt die Unfähigkeit des „Freundes“, etwas Neues oder Interessantes zu sagen, und die daraus resultierende Langeweile und Ernüchterung des Gesprächspartners. Feuchtersleben nutzt die rhetorische Frage, die Ironie und die kurze Form, um eine prägnante Botschaft zu vermitteln und die Eitelkeit des „Freundes“ bloßzustellen. Die Stärke des Gedichts liegt in seiner Einfachheit und der Fähigkeit, mit wenigen Worten eine komplexe Kritik zu äußern.
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Lizenz und Verwendung
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