Willst du noch länger

Stefan George

1868

Willst du noch länger auf den kahlen böden Nach frühern vollen farben spähn - Auf früchte warten in den fahlen öden Und ähren von verdrängten sommern mähn?

Bescheide dich wenn nur im schattenschleier Mild schimmernd du genosssene fülle schaust Und durch die müden lüfte ein befreier Der wind der weiten zärtlich um uns braust.

Und sieh ! die tage die die wunden brannten In unsrer vorgeschichte schwinden schnell… Doch alle dinge die wir blumen nannten Versammeln sich am toten quell.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Willst du noch länger

Interpretation

Das Gedicht "Willst du noch länger" von Stefan George thematisiert die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten und die Akzeptanz des gegenwärtigen Zustands. Der Sprecher fragt, ob man weiterhin nach den "kahlen Böden" und "verdrängten Sommern" trauern soll, anstatt sich mit dem zu begnügen, was noch vorhanden ist. Die "schattenschleier" und die "milden Schimmer" deuten auf eine sanfte, aber tröstende Gegenwart hin, die genossen werden kann. Der zweite Teil des Gedichts bringt eine Wende, indem er die Hoffnung auf einen "Befreier" und den "Wind der Weiten" einführt, der zärtlich um sie weht. Dies symbolisiert eine neue Perspektive und die Möglichkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. Die "täglichen Wunden" und die "vorgeschichte" schwinden, was auf eine Heilung und einen Neuanfang hindeutet. Abschließend versammeln sich die "Dinge, die wir Blumen nannten", am "toten Quell", was eine Metapher für die Konzentration auf das Wesentliche und die Akzeptanz des unvermeidlichen Endes sein könnte. Das Gedicht lädt dazu ein, die Vergangenheit loszulassen und die Gegenwart zu umarmen, auch wenn sie von Schatten und Verlust geprägt ist.

Schlüsselwörter

willst länger kahlen böden frühern vollen farben spähn

Wortwolke

Wortwolke zu Willst du noch länger

Stilmittel

Alliteration
[voll... farben fahlen... fahlen wind... weiten tote... toten]
Hyperbel
[wunden brannten verdrängten sommern]
Metapher
[kahlen böden vollen farben fahlen öden verdrängten sommern schattenschleier wunden brannten]
Personifikation
[die tage... schwinden schnell der wind... um uns braust]
Symbolik
[blumen toten quell]