Willkommen kleine Bürgerin

Jakob Michael Reinhold Lenz

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Willkommen kleine Bürgerin Im bunten Tal der Lügen! Du gehst dahin, du Lächlerin! Dich ewig zu betrügen

Was weinest du? die Welt ist rund Und nichts darauf beständig. Das Weinen nur ist ungesund Und der Verlust notwendig.

Einst wirst du, kleine Lächlerin! Mit süßerm Schmerze weinen Wenn alle deinen treuen Sinn Gott! zu verkennen scheinen.

Dann wirst du stehn auf deinem Wert Und blicken, wie die Sonne Von der ein jeder weg sich kehrt Zu blind für ihre Wonne.

Bis daß der Adler kommen wird Aus fürchterlichen Büschen, Der Welten ohne Trost durchirrt - Wie wirst du ihn erfrischen!

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Illustration zu Willkommen kleine Bürgerin

Interpretation

Das Gedicht "Willkommen kleine Bürgerin" von Jakob Michael Reinhold Lenz handelt von der schmerzhaften Erkenntnis der Welt als einem Ort der Lügen und des Betrugs. Die "kleine Bürgerin" wird als naiv und unschuldig dargestellt, die in eine Welt voller Täuschungen hineingeboren wird. Das Gedicht beschreibt den Prozess des Erwachsenwerdens und der Enttäuschung, der mit dem Erkennen der Wahrheit einhergeht. Im ersten Teil des Gedichts wird die "kleine Bürgerin" in die Welt der Lügen willkommen geheißen. Sie wird als "Lächlerin" bezeichnet, was ihre Unschuld und Naivität unterstreicht. Das Gedicht deutet an, dass sie ewig betrogen werden wird, was auf die allgegenwärtige Täuschung in der Welt hinweist. Der zweite Teil des Gedichts thematisiert das Weinen der "kleinen Bürgerin" angesichts der Erkenntnis der Wahrheit. Es wird betont, dass die Welt vergänglich ist und dass Weinen ungesund ist, da der Verlust unausweichlich ist. Das Gedicht deutet an, dass die "kleine Bürgerin" eines Tages mit süßem Schmerz weinen wird, wenn sie erkennt, dass ihr treuer Sinn von Gott verraten zu werden scheint. Im letzten Teil des Gedichts wird die "kleine Bürgerin" als starke Persönlichkeit dargestellt, die auf ihrem Wert steht und die Sonne betrachtet, von der sich jeder abwendet. Das Gedicht deutet an, dass sie eines Tages einen Adler erfrischen wird, der die Welt ohne Trost durchstreift. Dies könnte als Symbol für die Fähigkeit der "kleinen Bürgerin" verstanden werden, Trost und Erleichterung in einer scheinbar trostlosen Welt zu spenden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Kontrast
Das Weinen nur ist ungesund / Und der Verlust notwendig
Metapher
Welten ohne Trost
Personifikation
Gott! zu verkennen scheinen