Will keine Blumen mehr
1879Die Sommerrosen blühen Und duften um mich her; Ich seh’ sie all’ verglühen, Will keine Blumen mehr.
Der Bruder mein that ziehen Mit Königs stolzem Heer, Läßt einsam mich verblühen, Will keine Blumen mehr.
Die blanken Waffen sprühen Weit Funken um ihn her; Das Herz thut ihm erglühen, Will keine Blumen mehr.
Und Silbersterne blühen Um Helm und Brustschild her, Die blitzend ihn umziehen, Will keine Blumen mehr.
Die Sommerrosen glühen Und duften all’ so sehr; Ich seh’ sie all’ verblühen, Will keine Blumen mehr.
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Interpretation
Das Gedicht "Will keine Blumen mehr" von Luise Hensel handelt von einer Frau, die durch den Abschied ihres Bruders in den Krieg ihre Freude an den Sommerrosen verloren hat. Die Rosen symbolisieren dabei die Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens, die durch den bevorstehenden Verlust ihres Bruders an Schrecklichkeit gewonnen hat. Die erste Strophe beschreibt die anfängliche Freude der Frau an den Sommerrosen, die um sie herum blühen und duften. Doch bereits hier wird durch den Ausdruck "verglühen" angedeutet, dass diese Freude nur von kurzer Dauer ist. Die Frau will keine Blumen mehr, da sie die Vergänglichkeit des Lebens nun bewusster wahrnimmt. In der zweiten Strophe erfahren wir, dass der Bruder der Frau mit dem königlichen Heer in den Krieg zieht. Dies ist der Auslöser für die Veränderung der Gefühlslage der Frau. Sie fühlt sich einsam und verlassen, und auch hier wird der Ausdruck "verblühen" verwendet, der die Vergänglichkeit des Lebens nochmals unterstreicht. Die dritte und vierte Strophe beschreiben die Schlacht und den Tod des Bruders. Die blanken Waffen sprühen Funken und das Herz des Bruders glüht vor Entschlossenheit. Doch auch hier wird der Ausdruck "verglühen" verwendet, der den Tod des Bruders ankündigt. Die Sterne um Helm und Brustschild herum symbolisieren dabei den Ruhm und die Ehre, die der Bruder im Krieg erlangt hat, aber auch die Vergänglichkeit des Lebens. In der letzten Strophe wird nochmals auf die Sommerrosen eingegangen. Sie glühen und duften noch immer, doch die Frau will keine Blumen mehr, da sie nun die Vergänglichkeit des Lebens bewusster wahrnimmt. Das Gedicht endet mit dem Ausdruck "verblühen", der den Tod des Bruders und die Vergänglichkeit des Lebens nochmals unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die blanken Waffen sprühen Weit Funken um ihn her;
- Anapher
- Die Sommerrosen blühen Und duften um mich her; Ich seh' sie all' verglühen, Will keine Blumen mehr.
- Kontrast
- Die Sommerrosen blühen Und duften um mich her; Ich seh' sie all' verglühen, Will keine Blumen mehr.
- Metapher
- Die Sommerrosen blühen Und duften um mich her; Ich seh' sie all' verglühen, Will keine Blumen mehr.
- Parallelismus
- Die Sommerrosen blühen Und duften um mich her; Ich seh' sie all' verglühen, Will keine Blumen mehr.
- Personifikation
- Das Herz thut ihm erglühen
- Wiederholung
- Will keine Blumen mehr